Mein Weg zum Heilpraktiker

Die Praxis ist eröffnet :-)

By admin | Januar 6, 2012

Was lange währt wird endlich gut :-) Nun endlich, sage und schreibe knapp über 3 Jahre nach bestandener Heilpraktikerprüfung, kann ich nun endlich stolz verkünden, dass ich meine Praxis eröffnet habe! Sie befindet sich hier:

 
in der Olper Str. 175, in 51491 Overath!

Meine Praxiswebseite findet ihr unter: www.naturheilpraxis-freniard.de

Es war ein etwas längerer Weg dorthin, denn es galt einiges zu berücksichtigen und zu tun: Nutzungsänderung, Brandschutzbestimmungen, Gesundheitsamtauflagen, Anlage von befestigten Parkplätzen, Renovierung… etc. Doch endlich ist nun alles erledigt und eingerichtet, so dass ich in diesen Räumen ab sofort loslegen kann:

Paralell zu meiner Praxisplanung, habe ich zwischenzeitlich einige Zusatzausbildungen absolviert: Akupunktur, Aku-Taping, Dorn-Therapie, Mesotherapie, sowie Faltenunterspritzung mit Hyaluronsäure. Um eine bestmöglich Diagnostik gewährleisten zu können und auch für alle Fälle gewappnet zu sein, belegte ich des weiteren Fortbildungen zu den Themen Laborparameter und Notfallmanagement. Im Anschluss an meine Heilpraktikerausbildung machte ich zunächst diverse Praktika und begann dann schließlich in einer Naturheilpraxis in Köln zu assistieren. Letzteres mache ich bis heute an zwei Tagen in der Woche, was mir riesig viel Spaß macht und mir natürlich in Sachen Erfahrung sammeln unheimlich zu Gute kommt.

Ende 2011, nach offizieller Bauabnahme, konnte ich nun endlich hochmotiviert und voller Tatendrang die Pforten öffnen :-)

Na dann wünscht mir mal viele Patienten, denen ich selbige öffnen darf :-) Denn bislang ist meine Kartei noch, sagen wir, übersichtlich, aber die Welt muss ja auch erstmal erfahren, dass es mich gibt! Momentan informiere ich mich also zum Thema Anzeigenschaltung, lasse Flyer produzieren, etc.

Wie hat Wilhelm Busch noch gesagt:

“Ausdauer wird früher oder später belohnt - meistens aber später.”
- Nun, ich habe Zeit! ;-)

Ich wünsche auch allen anderen frisch gebackenen Praxisinhabern und natürlich auch sämtlichen Heilpraktikeranwärtern viel Ausdauer, Kraft, Mut, Selbstvertrauen und innere Stärke! Hier nocheine Zen-Weisheit zum Schluss:

“Wer seinen eigenen Weg geht, dem wachsen Flügel”

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— Staus quo —

By admin | April 8, 2010

Nachdem ich nun schon einige Anfragen erhalten habe, wie es weitergeht, was ich so mache und warum ich nichts neues mehr schreibe, möchte ich mich nun endlich nochmal zu Wort melden. :-)

Es freut mich sehr, dass ich Euch offenbar mit meinen Texten erheitern konnte! Und der Grund, warum es keine neuen Texte mehr gibt… nun ja hauptsächlich… die fehlende Zeit! Während der Heilpraktikerausbildung hatte ich selbige am Abend bzw. habe ich ja sowieso die ganze Zeit am Computer gesessen und gelernt. ;-) Und nun?

Meine amtsärztliche Überprüfung liegt nun schon echt lange zurück (Ende 2008). Kaum zu glauben! Irgendwie ist in meinem Oberstübchen die Information trotzdem noch nicht so richtig angekommen. Obwohl es ja eine sehr schöne Information ist: Vanessa, Du bist jetzt Heilpraktikerin! Das ich es noch nicht so richtig verstanden habe, wird daran liegen, dass ich zunächst wieder in meinen alten Beruf als Mediengestalterin eingetaucht bin. Nun, der Rubel muss ja schließlich rollen, während ich Pläne für die zukünftige Naturheilpraxis schmiede. Wobei letzteres gar nicht so einfach ist, wenn man den ganzen Tag im Büro verbringt und sich mit völlig anderen Themen auseinander setzt. Das ist auch der Grund, weshalb ich es kaum noch schaffe, etwas Neues in meinem Blog zu veröffentlichen. Oder anders gesagt: ich hatte bisher leider auch nicht viel Neues zu berichten.

Nun, in der Zwischenzeit habe ich immerhin eine TCM-Ausbildung (traditionell chinesische Medizin) gemacht, wie Ihr ja auch lesen konntet. Und in meiner Freizeit vertiefe ich diese Thematik auch weiter. Ich habe zudem ein intensives Praktikum bei einer Ärztin gemacht, die auch mit der traditionell chinesischen Medizin arbeitet. Ihr konnte ich regelmäßig über die Schulter schauen und durfte teilweise auch mitwirken (Hierüber konnte ich nur nichts näheres schreiben, da ich mich natürlich zur Verschwiegenheit verpflichtet hatte). Das Praktikum hat auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht und mich stets daran erinnert meine Zukunftspläne nicht aus den Augen zu verlieren. Zwischenzeitlich gab es dann in der Paracelsus-Schule eine Veranstaltung mit Workshops und Vorträgen. Hier habe ich mir das erste mal Cholin (fördert die Bildung von Acetylcholin, pustet das Vegetativum schön durch) spritzen lassen. Man muss ja alles mal selbst ausprobieren! Und was soll ich sagen… jaaa… das war gut! ;-) Vielseitig einsetzbar, könnte ich mir auch vorstellen in mein Programm mit aufzunehmen. Ich hörte noch interessante Vorträge über Spagyrik und Aromatherapie und auch die Soluna-Eigenbluttherapie lernte ich hier kennen und probierte sie die darauf folgenden Monate aus (hat meine Infektanfälligkeit stark herabgesetzt! Feine Sache!). Anfang des Jahres habe ich dann das Faltenunterspritzen mit Hyaluronsäure gelernt. Wow, hat das Spaß gemacht! Das könnte glatt ein Schwerpunkt von mir werden! :-)

Vor Kurzem war ich dann noch mit einer alten Schulfreundin, bzw. jetzt kann ich ja sagen HP-Kollegin :-), auf dem Heilpraktikertag in Düsseldorf. Ich hoffte hier Anregungen zu finden, da ich mir über mein Praxis-Konzept immer noch nicht ganz im Klaren bin. Es war sehr interessant dort, doch die Fülle an Ausstellern, Vorträgen und Präparaten hat mich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen lassen. Wenn man noch nicht so genau weiß, wo die Reise mit der Praxis hingehen soll, dann ist das schon eine kleine Reizüberflutung dort. Dennoch bin ich froh da gewesen zu sein und werde mir in Ruhe nochmal sämtliches Informationsmaterial anschauen, welches ich mitgenommen habe.

Ihr seht also – so ganz untätig bin ich nicht! Wenn nur dieses lästige Geld-verdienen-müssen nicht wäre… ;-) Dann hätte ich vieeel mehr Zeit für Seminare, Workshops, Kurse und dergleichen. Wobei ich sie ja dann auch nicht mehr bezahlen könnte – ein Teufelskreis!

Nun, ich sehe das so: Gut Ding will Weile haben! Und hey, ich bin 26 Jahre alt, ich werde mich jetzt nicht stressen! Wobei sich meine Pläne durchaus immer mehr konkretisieren…Doch möchte ich jetzt noch nicht zu viel verraten…

So will ich nun mit den Worten schließen…ups, jetzt höre mich ja an wie ein Priester… na jedenfalls:

“Mit Geduld und Zeit – da kommt man weit.”
- Das hoffe ich zumindest! ;-)

 

In eigener Sache Wedding Tree Link Tipp:

Wer dem Brautpaar zu einer Hochzeit ein ganz besonderes Geschenk machen möchte, sollte sich einmal mit dem Thema Wedding Tree beschäftigen. Dies ist ein leerer Baum ohne Blätter gedruck auf Papier. Die Gäste platzieren dann mit Stempelfarbe ihre Finderabdrücke auf dem dem Baum und unterschreiben diese. Die Fingerabdrücke bilden die Blätter des Baums. Es entsteht eine farbenfrohe Erinnerung an einen der schönsten Tage im Leben. Auf allen Hochzeiten auf denen ich war, ist der Wedding Tree ein absuluter Renner gewesen. Schaut euch doch gerne mal um:

www.wedding-tree.de

 

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Ohrakupunktur Seminar – letzter Tag mit Hindernissen

By admin | Oktober 18, 2009

Es ist Sonntag morgen und meine Euphorie nun nach Köln zu fahren, um etwas für meine Bildung zu tun, hält sich merkwürdigerweise noch stark in Grenzen. Besagte Grenze wird um so größer, als der verdammte Zug, der mich verdammt nochmal zum Kölner Hauptbahnhof bringen soll, schon nach einer Station wieder anhält, um alle Passagiere mit den Worten „Aufgrund einer technischen Störung hält dieser Zug außerplanmäßig an der Frankfurter Straße….bla…bla…bla… bitte steigen Sie alle aus…“ vor die Türe zu setzen. Die männliche Lautsprecherstimme hatte versprochen, dass bald ein Anschlusszug kommen würde, der uns stattdessen zum Kölner Hauptbahnhof befördern würde. Deswegen dachte ich zunächst mein größtes Problem wäre, dass meine Lederjacke doch nicht wirklich warm genug für diese Jahreszeit ist *brrrrr*. Es musste aber ja ausgerechnet heute der Zeitpunkt kommen, an dem ich erfahren sollte, dass „bald“ ein sehr dehnbarer Begriff ist… Wütend stampfe ich also den Bahnsteig auf- und ab. Darf das wohl wahr sein? *brrrr* Das ist ja wohl eine Unverschämtheit !!! Ich stehe ja jetzt schon fast ein verdammte halbe Stunde hier herum! *brrrr* *stampf* Immer mehr wird mir bewusst, dass wohl ein Wunder geschehen müsste, damit ich noch pünktlich zum Unterricht erscheinen könnte…. Wenn ich mich umschaue bemerke ich, dass mein Gesicht nicht das einzige ist, welches so wütend dreinblickt. Daher bekommen die Leute also ihre Zornesfalten! Man sollte die Bahn verklagen! Tatsächlich treffe ich, beim aggressiven auf- und abstampfen, eine Mitschülerin aus meinem Ohrakupunkturkurs, die geduldig auf einer Bank sitzt. Das ist ja ein Ding! Wir teilen von nun an das selbe Schicksal und quatschen solange bis die versprochene Bahn endlich eintrifft. Wir setzen uns hinein und die Bahn fährt los. Wie sich schnell herausstellt fährt sie jedoch nur los, um kurz darauf wieder anzuhalten und auf irgendeinen entgegen kommenden Zug zu warten. Tolle Wurst! Was soll ich dazu noch sagen?

Um kurz nach 10 Uhr platzen wir endlich in den Klassenraum hinein – kurzes Schweigen. Ich sage so etwas wie „Wir saßen im gleichen Zug !“ (denke dabei: Scheiß-Zug!!!) und der Dozent Herr Thews referiert auch schon wieder unbeirrt weiter. Ich glaube ihn könnte nichts aus der Ruhe bringen. Er ist wie dieser trommelnde Hase aus der Duracell Werbung - er macht einfach immer weiter! Ich kann mich gar nicht schnell genug hinsetzen und meine Unterlagen auf den Tisch schmeißen. Mist, wo ist denn schon wieder mein Kugelschreiber? Ah, endlich da ist er ja. Schnell schreibe ich mit, damit ich nicht noch mehr verpasse. Ich ärgere mich sowieso tierisch, dass ich so viel verpasst habe und stampfe im Geiste noch ein paar mal feste auf! Ich glaub ich bräuchte jetzt echt dringend den Anti-Agressions-Punkt!

Offensichtlich bin ich gerade mitten in der Adipositas Therapie gelandet und passend dazu besprechen wir den 5-kg-Punkt. Dann geht es weiter mit dem Punkten zu Darm, Magen, dem harnableitendem System, Niere, Milz und Herz. Es fügt sich eine Pause ein, in der ich den verpassten Stoff zum Thema RAC von meiner Sitznachbarin abschreiben kann, und dann geht es stramm weiter mit den nächsten Punkten zur Allergie-Symtomatik. Nach ein paar medikamentenanalogen Pünktchen kommen wir schließlich zum Thema unerfüllter Kinderwunsch und ich erfahre das erste mal von der Existenz einer Fruchtbarkeitsmassage. Wow! Noch beeindruckt über diese und weitere Informationen zu dieser Thematik, muss ich mich kurz darauf noch ein paar Meisterpunkten widmen. Wenn das so weitergeht, bekomme ich noch eine Sehnenscheidenentzündung durch die Schreiberei…

Nun besprechen wir noch ausführlich den Bereich der Wirbelsäule und sollen uns dann einen Stech-Partner suchen, um das Gelernte direkt einmal in die Tat um zu setzen. Herr Thews legt großen Wert darauf, dass wir uns bei jeder Stech-Übung ein neues Ohr suchen – und das tun wir nun auch.

Es läuft gut und macht Spaß (wie gesagt, dass stechen macht doch ein bisschen mehr Spaß als gestochen zu werden…).

Zum guten Schluss lernen wir noch, dass „Tor des Geistes“ kennen und sind dann wieder auf freiem Fuße/ Ohre :-) Schade eigentlich, es hat mal wieder viel Spaß gemacht :-)

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Die 400fache orale Befriedigung!

By admin | Oktober 17, 2009

Gespannt trete ich die Reise nach Köln an, bereit für den zweiten Tag des Ohrakupunktur Seminars. Da heute Samstag ist bekomme ich in der Bahn sogar einen Sitzplatz. Ich bin hell erfreut, es kann nur ein guter Tag werden.

In der Schule angekommen ziehe ich mir ein Becherchen Kakao aus dem Automaten und nehme im Klassenraum platz. Ja, ich bin dazu übergegangen nicht mehr soviel Kaffee zu trinken. Nicht wirklich aus gesundheitlichen, sondern viel mehr aus praktischen Gründen. Denn der harntreibende Kaffee zwingt mich einfach viel zu oft die Keramikabteilung aufzusuchen. Das ist nicht nur unangenehm, sich ständig während des Unterrichts aus den Reihen quetschen zu müssen, sondern man verpasst ja in dieser Zeit auch immer soviel. Nun denn, kaum habe ich alle meine Utensilien (Block, Stifte, Lineal, Skript, Ohr-Modell) auf dem Tisch abgelegt, geht es auch schon zur Sache. Motiviert startet Herr Thews mit einer knappen Wiederholung des gestrigen Tages und beginnt dann mit der Erörterung des nächsten zu lernenden Punktes namens „Aerophagie“. Ich möchte behaupten, ich bin mittlerweile eine ganz passable Ohren-Zeichnerin. Ich zeichne mir also erneut ein Öhrchen, markiere im selbigen unseren neuen Punkt und liste seine Einsatzbereiche und Reizarten daneben genau auf. Es ist der fünfte Punkt den wir besprechen und ich habe noch einen guten Überblick. Das ist ein schönes Gefühl! Plötzlich kommt der Direktor in den Raum und fragt, ob nicht zufällig jemand einen Wasserkocher dabei hat. Moment, ich schaue mal eben in meinem Rucksack nach – ausgerechnet heute habe ich diese Gerätschaft zu Hause vergessen. So was aber auch! Keiner hat zufällig einen Wasserkocher dabei und wir müssen alle herzlich lachen. Doch schnell fängt Herr Thews unserer aller Aufmerksamkeit wieder ein und es geht weiter im Text.

Wie mit dem Punkt „Aerophagie“ verfahre ich im Anschluss auch mit diversen Meisterpunkten, dem Null-Punkt-Retro und den Punkten 87 und 84. Bei letzterem betreten wir schon allmählich den Bereich der Sucht-Behandlung und sprechen über orale Befriedigung in diesem Zusammenhang. Das kann das Essverhalten betreffen („Jedes Pfund geht durch den Mund“), das ritualisierte Trinken, aber natürlich auch das Rauchen. Bis dato habe ich mir noch keine Gedanken darüber gemacht, dass sich ein Raucher im Schnitt 400 mal täglich oral befriedigt! 20 Zigaretten pro Tag à 20 Züge pro Zigarette ergeben unterm Strich eine 400 fache orale Befriedigung. Erstaunlich, so habe ich das noch nie gesehen. Um so interessanter wird unser nächstes Thema, nämlich das der Raucherentwöhnungstherapie. Während Herr Thews uns das Konzept näher bringt, verrät er uns auch einige Tipps und Kniffe im Umgang mit den Patienten. Meine rechte Hand schreibt eifrig mit und langsam mache ich mir Sorgen, ob der noch verbleibende Platz in meinem Block tatsächlich ausreichen wird…

Langsam verstehe ich auch, warum manche Punkte Namen haben und andere wiederum mit Zahlen belegt sind. Die mit Zahlen belegten Punkt stammen aus der chinesischen und die Punkte, die Namen haben, stammen aus der französischen Ohrakupunktur. Beide Akupunkturformen haben ihre Vor- und ihre Nachteile. Uns wird sozusagen ein „Best of“ aus beiden Stilrichtungen vermittelt.

Nach einer kurzen Pause, in der ich zur oralen Befriedigung keine Zigarette, sondern einen weiteren Kakao missbrauche, besprechen wir den Entspannungs- und den Anti-Depressions-Punkt. Nachdem ich allmählich schon einiges durcheinander werfe kommt passender weise auch der Frustrations-Punkt hinzu. Um zu demonstrieren, dass Frustration mit der Hüfte korrespondiert (es gibt Interpretationsmöglichkeiten zwischen Affekten und Gelenken) fordert Herr Thews uns auf ihn zu beschimpfen. Es dauert lange, lange, lange, bis endlich jemand „Ignorantes Arschloch“ zu ihm sagt und er uns schließlich zeigt, was genau er mit seiner Aussage gemeint hat.

Nach dem Anti-Agressions-Punkt, dem Begierde-Punkt, dem Angst-und Sorgenpunkt (die habe ich langsam auch, ob ich mir das alles hier merken kann) kommen wir zu den übergeordneten Psychopunkten. Nebenbei malen wir zur Übung unseren Sitznachbarn mit Fineliner die bisher gelernten Punkte ins Ohr und Herr Thews kontrolliert die Lokalisationen. Ich bin beruhigt, das Gelernte offensichtlich umsetzen zu können. Natürlich schließen sich aber noch weitere Punkte an und kurz überfällt mich mal wieder das Gefühl „ich weiß, dass ich nichts weiß“. Aber das kenne ich ja schon und Gott sei Dank hat die Erfahrung gezeigt, dass beim Nacharbeiten das Durcheinander doch wieder eine Ordnung findet. Nur deswegen kriege ich jetzt keine Panikattacke und kann über zwischenzeitlich gefallene Sätze, wie „wenn einem mit 40 nochmal echte dritte Zähne wachsen würden - das wäre gut „ oder „Ein Mann aus Holland hat sich auf das befruchten kinderloser Frauen spezialisiert“ (was wohl tatsächlich einer wahren Begebenheit entspricht) schmunzeln.

Am Ende machen wir noch einen Ausflug zum Thema „Wie finde ich die Ohrpunkte überhaupt?“ und lernen in diesem Zusammenhang den RAC (Reflex Auriculo Cardiale) kennen. Hierbei handelt es sich um ein Pulswellen-Resonanzphänomen, welchen wir auch direkt praktisch üben. Sehr interressant!

Jetzt können wir alle nach Hause gehen und weil ich so artig zugehört habe mache ich noch einen Abstecher in die Stadt und belohne mich erstmal mit einem neuen Paar Schuhe. Ich hoffe, dass ich heute Nacht nicht von Ohren träumen werde.

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„Wir stechen keine nüchternen Patienten!“

By admin | Oktober 16, 2009

Ich habe beschlossen, mein bisher erlangtes Wissen über die traditionell chinesische Medizin mit einem Seminar zum Thema Ohrakupunktur zu ergänzen. Heute ist nun der erste Tag von einem verlängerten Seminar-Wochenende. So wie auch der Körperakupunkturkurs zu Beginn diesen Jahres, findet nun auch dieser Kurs bei dem Dozenten Franz Thews in der Paracelsusschule Köln statt.

Als ich in die Schule herein komme, fühle ich mich zeitlich zurück versetzt. Herr Thews kommt just auf mich zu und wir schütteln uns die Hände. Kurz darauf finde ich mich schon im Klassenraum wieder, zwischen ein paar bekannten aber vor allem vielen fremden Gesichtern bzw. Ohren sitzend. Hektisch krame ich nach meinem Kugelschreiber und nach den Buntstiften, die wir mitbringen sollten, und Herr Thews kommt nach einer kurzen Vorstellung seiner Person auch schon zur Sache. Alles ist tatsächlich wie immer, als wäre zwischenzeitlich kein halbes Jahr vergangen, als ich das letzte Mal hier gesessen habe. Irgendwie unheimlich!

Zunächst einmal bekommen wir viele allgemeine Informationen zum Thema. Dazu gehören Indikationen und Kontraindikationen, Vor- und Nachteile, Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Therapien, uvm. Dann erhalten wir eine Kopie von einem Foto eines Ohrs. Hier sollen wir zunächst einmal die groben Konturen nachmalen. Herr Thews möchte damit testen, wie gut unser fotografisches Gedächtnis funktioniert. Im Verlauf des Seminars werden wir noch viele Punkte auf ja nur 2-dimensionales Papier zeichnen und am Ende sollten wir uns schließlich vorstellen können, wo sich die Punkte am tatsächlichen 3-D Objekt befinden. Ich muss bei meinen Sitznachbarn spinksen und fühle mich dabei ein wenig wie in der Grundschule. Ist das jetzt peinlich? Ich weiß es nicht. Nachdem es dann aber auch der letzte geschafft hat ein Ohr zu Papier zu bringen, sprechen wir die einzelnen anatomischen Strukturen der Reihe nach durch und erfahren dabei schon mal im groben, an welchen Stellen sich welche Organe bzw. Strukturen repräsentieren. Vom Lobulus bis zum Helixschwanz bekommen wir alles erläutert. Nebenbei erfahren wir zudem, dass aus sozial-kulturellen Gründen chinesische Frauen auf Männer mit einem fleischigen Lobulus (Ohrläppchen) stehen, denn man sagt Ihnen wohl ein hohes Maß an Kondition nach. Kondition? Wobei? Das ist ja interessant! Wahrscheinlich werde ich ab heute viel intensiver auf Ohrläppchen achten… Hastig zeichne ich mir alles farbig ein und mache mir Notizen. Am Ende bin ich doch erstaunt, in wie viele Teile man so ein kleines Ohr doch noch einmal aufsplitten kann. Denn ich muss zugeben, dass ich bisher die Anatomie des (äußeren) Ohres doch weitgehend vernachlässigt habe. Zwar habe ich alle Begriffe schon einmal gehört, doch wollte ich mir ehrlich gesagt für die amtsärztliche Überprüfung keinen unnötigen Speicherplatz belegen. Ja mal ehrlich, es ist äußerst unwahrscheinlich, dass Lobulus und Co einen Schwerpunkt bei der Überprüfung bilden. Na das wäre eine große Überraschung gewesen: „Ja Frau Freniard, dass mit den Autoimmunerkrankungen, dem Herz und der Infusion war ja alles in Ordnung! Aber dass Sie mir nicht sagen können welcher Teil des Ohres sich Scapha nennt… tss…tsss…tsss….. Das macht Sie leider zu einer Gefahr für die Volksgesundheit!“. Ich glaube dann hätte ich mir lieber nochmal einen anderen Beruf gesucht. Ich krakle kopfschüttelnd und gedankenverloren ein Muster in meinen Block hinein als die Amtsärztin promt vor meinem geistigen Auge verschwindet. Irgendwas ist gerade anders. Irgendetwas hat mich aus meinen Gedanken gerissen. Was nur? Ich blicke mich im Raum um. Warum ist es denn so ruhig hier? Meine Augen taxieren Herrn Thews, der am Pult sitzt und still geradeaus starrt. Seine Lippen bewegen sich nicht mehr… Was ist nur los? „Das war eine Aufforderung zum Dialog!“ sagt er schließlich. Ups, ich habe nicht einmal die Frage mitbekommen. Doch nachdem er keine Antwort, worauf auch immer, erhält, steht er wieder auf und referiert dann doch unbeirrt weiter. Die Menge entspannt sich und fängt eifrig die neu im Raum schwebenden Wörter ein und schreibt sie in ihre Blöcke hinein. Das muss man tatsächlich zügig machen. Denn die Wörter lösen sich rasend schnell in Luft auf und zudem kommen auch stetig neue hinzu. Mittlerweile sind wir bei positiven und negativen Nadelreaktionen angelangt und lernen in dem Zusammenhang, dass wir nie nüchterne Patienten stechen sollten. Hihi – Teekesselchen. Soll ich meinen Patienten immer erst ein Gläschen Schnaps geben, bevor ich sie steche? Ui was habe ich nur für einen billigen Humor heute, diesen Gedanken spreche ich jetzt besser nicht laut aus. Ich räuspere mich stattdessen nur mal kurz „räusper“.

Nachdem wir an Hand des Ohres einer unserer Mitschüler (übrigens ein glücklicher mit fleischigem Lobulus) die einzelnen anatomischen Strukturen noch einmal genau erklärt bekommen haben, sprechen wir nun konkret über unseren ersten Akupunkturpunkt: den Punkt 82 (oder bei den Franzosen auch „Null-Punkt“ genannt) an der Helixwurzel.

Es folgt eine ausführliche Beschreibung seines Wirkumsspektrums, und mal wieder bedaure ich, dass ich nie gelernt habe zu stenografieren. Einige Zeit und 10 Seiten in meinem Block weiter, haben wir alle verstanden worum es geht und sollen uns gegenseitig diesen Punkt stechen. Letzteres verläuft ohne Zwischenfälle. Ich werde allerdings daran erinnert, dass ich doch viel lieber steche, als selbst gestochen zu werden. Aber das sind eben die Regeln!

Mit vielen lebhaften Beispielen werden uns im Anschluss 3 weitere Punkte näher gebracht und am Ende dürfen wir alle auch noch einmal stechen. Nach den Erkenntnissen, dass Eltern immer zu zweit schlafen, man im Leben täglich geprüft wird und Herr Thews Haare so kurz sind, weil er sie sich immer raufen muss, ist der Unterricht um 16:30 Uhr dann schließlich zu Ende und ich gehe mit heißen Ohren nach Hause :-)

 

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Nix gesagt ist Lob genug!

By admin | Mai 24, 2009

Der letzte Tag der Akupunktur-Ausbildung steht bevor! Traditionsgemäß kaufe ich mir einen großen Kaffee und trage diesen zur Schule. Dort parke ich ihn vor mir auf dem Tisch, während ich alle meine Unterlagen aus meinem Rucksack auf selbigem verteile. Meist, so wie auch heute, geht direkt der Unterricht los und aus meinen ca. 7 Kugelschreibern muss ich erstmal den einen finden, der tatsächlich schreibt. Ich sollte die anderen endlich einmal entsorgen… verflixt… Aha! Hier ist er ja!

Bevor wir das Übrige zum Thema Psyche abhandeln macht Herr Thews mit uns einen Ausflug zum Thema Akupunktur und Kosmetik. Ich schlürfe an meinem Kaffee und bekleckere meinen Block dabei – wie immer! Währenddessen sprechen wir auch schon über Falten, Cellulite und Co. und zusätzlich lerne ich auch, dass neben meinem Freund mein Apotheker der wichtigste Mensch in meinem Leben sein sollte. Herr Thews verrät uns in dem Zuge auch, wie wir Bierbäuche am besten wegbekommen und jemand fragt: „Gilt das auch für Schwangerschaftsbäuche?“. Um keine Missverständnisse entstehen zu lassen entgegnet Herr Thews hierauf : „Aber erst, wenn die Schwangerschaft vorbei ist!“.

Zwischendurch fällt der Satz: „Nix gesagt ist Lob genug!“ und wir lernen noch einige interessante Piezo-Techniken kennen, wonach wir uns wieder der Psyche zuwenden. Alles scheint logisch zu sein. Doch stoßen wir plötzlich auf das Thema Leere-Hitze, welches zu unserer letzten großen Denksportaufgabe dieses Kurses werden soll. Herr Thews bringt einige Beispiel von überdrehten Cola-Kindern über Schichtarbeiter, bis zu einem schwerkranken Menschen im präfinalen Stadium. Doch der Unterschied zum Yin-mangel will uns einfach nicht begreiflich werden. „Ich habe doch nur meinen Standpunkt geändert!“ sagt der Dozent und fährt fort „Ein Elefant hat von vorne einen langen Rüssel und von hinten gesehen einen kurzen Rüssel!“. Hä? Eine Elefanten-Rüssel-Yin-Mangel-Leere-Hitze-Verwirrungs-Diskussion entwickelt sich in Folge. Ich weiß nicht, ob die anderen am Ende tatsächlich verstanden haben was Herr Thews uns da noch mit auf den Weg geben wollte. Ich für meinen teil habe die Rüssel-Sache einfach mal so hingenommen und werde mich bei Gelegenheit im Geiste noch einmal damit auseinander setzen. Jetzt aber habe ich erst einmal Hunger!

Zur Feier des Tages beenden wir den Unterricht bereits um 14:00 Uhr und gehen gemeinsam chinesisch Essen. Dabei lassen wir den Kurs noch einmal Revue passieren und müssen an der einen oder anderen Stelle noch einmal herzlich lachen. Bei frittierten Bananen mit Honig angekommen stellt sich heraus, dass sich eine Mitschülerin immer besonders angesprochen fühlte, wenn Herr Thews während des Unterrichts vom Lenkergefäß sprach. Das Lenkergefäß wird mit „LG“ abgekürzt, was sich von unserem Dozenten fränkisch ausgesprochen anscheinende so anhörte, wie „El – Ge“ (Elke). Nach einem weiteren ausgedehnten Lachanfall (ich hoffe das war jetzt keine pathologische Freude) und einigen frittierten Bananen gehen wir noch einmal gemeinsam zur Schule zurück und erhalten unsere Zertifikate.

Mit gemischten Gefühlen, einerseits froh, andererseits irgendwie traurig, dass der Kurs nun vorbei ist, verabschieden wir uns alle voneinander. Viele von uns haben vor Ende des Jahres den Ohrakupunktur-Kurs bei Herrn Thews zu besuchen, inklusive meiner Person. Vielleicht sehen wir uns also wieder!

Es war eine schöne Zeit und hat viel Spaß gemacht!

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Mein Po ist nicht verankert!

By admin | Mai 23, 2009

Am heutigen Tage beginnt der letzte Block meiner Akupunkturausbildung. Diesmal soll das Thema Psyche im Mittelpunkt stehen. Doch zunächst einmal starten wir mit einer Wiederholung der Thematik des letzten Blockes: Gynäkologie. Das klappt erstaunlich gut und ich bin innerlich stolz, anscheinend doch ein ganz gutes Gedächtnis mein Eigen nennen zu können.

Kurz danach steigen wir in das neue Thema ein und lernen auch schon, dass Gefühle haben zunächst einmal positiv zu bewerten ist. Aha! Davon bin ich bislang auch einfach einmal ausgegangen. Doch gäbe es tatsächlich auch Gefühle, welche krank machen könnten. Ach ja? Letzteres seien meist die Gefühle, welchen kein Ausdruck verliehen wird. Hm… soweit so gut! Gefühle, die man hinunterschluckt sind also nicht gesund. Das klingt logisch! Was jetzt bald schon nicht mehr ganz so logisch klingt, ist das auch Freude ein Gefühl ist, welches krank machen kann. Wie bitte? Wir gehen näher auf die „Zhi Qing“ (die inneren pathogenen Faktoren) ein und lernen das „Le“ die gute Freude ist, welche man zum Beispiel beim Lesen eines guten Buches empfindet und „Xi“ die pathologische Freude darstellt und für Extase und allgemeines „Spaß haben“ steht. Ja, jetzt erinnere ich mich… dieses Thema hatten wir schon einmal angesprochen und schon damals war ich entsetzt, weil ich bislang geglaubt hatte lachen sei in jedem Fall gesund. Nun denn, noch bevor ich erfahre welche meiner Emotionen mich noch schädigen können, stellt eine Mitschülerin eine allgemeine Frage zur Nadeltechnik. Herr Thews hatte ja auch gesagt: „ In der Zeit, wo wir noch zusammen sind, sollten sie ihre Fragen artikulieren!“. Die Frage dreht sich um sedierende und tonisierende Nadeltechniken. Die Mitschülerin hatte diesbezüglich wohl in mehreren Büchern etwas gelesen, was sich nun nicht mit den Aussagen von Herrn Thews zu decken schien. Jetzt sei sie verwirrt. So machen wir nochmals einen geistigen Ausflug zu den Nadeltechniken, bei dem unser Dozent aber standhaft bei seiner Meinung bleibt. Der Dialog setzt sich fort und meine Augen fokussieren abwechselnd die beiden Redner. „Aber Herr Thews, in jedem Buch steht ….“ — „Nicht in meinen Büchern!“ — „Ihre habe ich ja auch gar nicht gelesen!“ — „Oh, dass war jetzt ein tiefes Fettnäpfchen!“ bringt Herr Thews den Dialog zu Ende. Ich lausche entspannt, denn beide lächeln. Kein aggressiver Unterton – gut so, dass wäre ja bestimmt auch nicht gesund gewesen! Womit wir auch schon wieder beim Thema wären…

Neben der guten und der bösen Freude gibt es noch „Nu“ (der Ärger), „Bei“ (die Trauer), „Si“ (die Sorge) und „Kong“ (die Angst ). Mit der letzten Information bekommt nun auch der Name „King Kong“ eine völlig neue Bedeutung: König der Angst. Seien die Gefühle ausgewogen, so wäre das physiologisch. Wenn aber nun eines stark überwiegt, sei das als pathologisch zu bewerten. Wann aber ist ein Gefühl noch normal und wann nicht? Herr Thews hält nun einen interessanten Monolog über Gefühle und beginnt anschließend uns spezielle Techniken gegen diverse psychische Störungen zu erläutern. „Der Dämon schreit“, „Die Geister weinen“ und „die 4 Öffner“ weiter unternehmen wir einen geistigen Ausflug zum Thema Suchttherapie. Jemand befindet währenddessen: „Das wird für den Patienten aber sehr teuer…!“. Dieses Argument hebelt Herr Thews jedoch sofort mit dem Satz „Drogen sind auch ziemlich teuer!“ aus. Hm, da hat er wohl Recht!

Im weiteren Verlauf sprechen wir noch einmal die „Wu Shen“, die 5 mentalen Fähigkeiten an. Es handelt sich im einzelnen um „Po“ die Atemseele, „Shen“ der Geist, „Hun“ die Reinkarnationsselle, „Xi“ die Phantasie und „Zhi“ die Willensstärke. Unterdessen erlange ich die Erkenntnis, dass mein Po anscheinend nicht verankert ist. Und damit ist jetzt nicht mein Hinterteil gemeint, sondern meine Atemseele. „Alle Raucher sind auf der Suche…“ sprichts Herr Thews und scheint damit mehr zu wissen, als ich selbst. Aha, wonach suche ich denn? Ich formuliere die Frage besser einmal laut: „Wonach denn?“ frage ich. „Nach einer Gruppenzugehörigkeit!“ sagt der Dozent. Hm… darüber muss ich bei Gelegenheit einmal nachdenken. Vielleicht bei einer Zigarette mit den anderen Rauchern in der Pause…

Depressive Lungenschwächlinge, psychische Mauerblümchen und die Erkenntnis „Mein Dorf ist mein Horizont“ weiter ist der Unterricht für heute beendet. In einer leicht wehmütigen Stimmung treten wir alle den Heimweg an – morgen wird der letzte Tag sein! Also, der letzte Tag von der Ausbildung versteht sich!

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Das Karnickel im Karnickelzuchtverein

By admin | April 25, 2009

Der letzte Tag des 6ten Akupunkturblocks steht heute an, es ist Sonntag. Die Bahn ist wie leergefegt und meine Müdigkeit kann ich kaum leugnen. Was also tun? Logo, großer Kaffee und ab zum Unterricht. Wie immer eben! Nanu? Außer mir ist erst einer da – neben Herrn Thews natürlich. Was ist los? Ich quatsche ein wenig mit den Anwesenden, nach und nach trudelt der Rest der Mannschaft ein – bis auf einen – und der Unterricht beginnt.

Wir wiederholen ein wenig die gestrige Thematik und sprechen dann eingehend über den Leber-Xue-mangel. Dabei lernen wir, dass sich eine Frau quasi selbst reinkarniert, in dem sie ein Kind bekommt und das man bei einer Bluttransfusion neben dem Blut an sich auch das „Hun“ eines anderen Menschen erhält. Letzteres ist auch der Grund, weswegen manche Glaubensrichtungen eine Bluttransfusion ablehnen, wir lernen dies aber als „Aberglaube“ abzutun. Um uns den Unterschied zwischen Shen (dem Bewusstsein) und Hun (dem Unterbewusstsein, der Reinkarnationsseele) näher zu bringen, nennt uns Herr Thews folgendes Beispiel: „Nehmen wir einmal an Sie fahren schwarz mit der Bahn! Ihnen ist dabei bewusst, dass sie schwarz fahren und möglicherweise 60 EUR löhnen müssen. Ihr spirituelles Gefühl aber signalisiert Ihnen: Ich werde nicht erwischt!“. Aha! Das ist also der Unterschied. Ich stelle fest, mein Hun hätte eindeutig viel zu großen Schiss mir so etwas zu signalisieren! Deswegen kaufe ich mir immer ein Ticket! Denn mein Hun erzählt mir, wenn ich mir kein Ticket kaufe, dann werde ich erst recht kontrolliert! Wie dem auch sei, der Unterschied ist klar!

Nebenbei erfahren wir, dass neuerdings die Hypnose nicht mehr als Hypnose, sondern als „Brain walking“ bezeichnet wird. Interessant! Da will also jemand anders in meinem Hirn spazieren gehen… Ich glaube das ist nicht so mein Ding! Da bleibe ich lieber bei der TCM! Die Seeleneinheiten Po, Yi und Zhi später besprechen wir den Punkt „Qu Quan“. Und während wir alle angestrengt lauschen öffnet sich die Tür des Klassenraums und unser bislang fehlender Mitschüler tritt ein. Hm, irgendwie sieht er heute anders aus als sonst. Ich weiß nicht ganz warum… Ich lege den Kopf schief und runzle nachdenklich die Stirn. Ah, jetzt hab ich es! Die Gesichtszüge sind anders… Es ist der Mund, die Oberlippe ist enorm angeschwollen. Bor krass, dass sieht ja aus als hätte er sich die Lippen aufspritzen lassen. Wir mustern ihn alle, weil offenkundig jeder mekt, dass irgendetwas nicht stimmt. Er hält sich schließlich beschämt die Hand vor den Mund und geht mit hängenden Schultern zu seinem Platz. „Punk Konzert!“ sagt er endlich hinter vorgehaltener Hand und fügt hinzu: „Erste Reihe! Da war dieser Ellbogen der mich erwischt hat…“. So leid er uns allen auch tut müssen wir uns doch stark das Lachen verkneifen . Herr Thews merkt an: „Wir werden sie nacherts mal behandeln!“ und führt seine Ausführungen über den Punkt Le8 weiter fort. Nach einer Weile rückt Herr Thews dann einen Stuhl in den hinteren Bereich des Klassenraums und bittet unseren Punk-Konzert-Geschädigten auf selbigem Platz zu nehmen. Nun sagt unser Dozent: „Wir brauchen einen Freiwilligen, der den Therapeuten spielt“ und die Folge ist wie immer – allgemeines Schweigen! Hm, weil ich ganz hinten im Raum sitze, befinde ich mich im Prinzip sowieso schon unmittelbar neben dem Patienten. Ich bräuchte meinen Stuhl nur ein wenig zu drehen… „Ich mache das!“ sage ich da auch schon und justiere meinen Stuhl ein wenig. Selbst erstaunt über meine Spontanität beginne ich mit der Anamnese, die in diesem Fall sehr kurz ausfällt. Nach dem betasten der geschwollenen Lippe, der Puls- und Zungendiagnose besprechen wir in der Klasse das zu behandelnde Muster und haben schnell die Punkte ausgearbeitet, mit denen ich meinen Patienten gleich beglücken werde. Der Rest meiner Mitschüler schaut noch immer schweigend zu der Lippe meines Patienten herüber und so spricht Herr Thews: „Jetzt schauen sie ihn nicht alle so an wie ein Karnickel im Karnickelzuchtverein!“.

Kurze Zeit später liegt mein Patient dann auch schon vor mir auf der Behandlungsliege. Ich finde es schwer nach dem lokalisieren und desinfizieren die Punkte exakt wiederzufinden und zu stechen und kommuniziere das auch Herrn Thews gegenüber. Seine Antwort beschränkt sich jedoch auf die Aussage :“Fotografisches Gedächtnis!“, womit mir nicht wirklich geholfen ist. Dennoch steche ich nach bestem Wissen und Gewissen und kann mit dem Ergebnis auch zufrieden sein:

Während unser Patient mit seinen Nadeln auf dem Präsentierteller, also der Behandlungsliege inmitten des Klassenraums ruht, macht Herr Thews mit uns aus gegebenem Anlass nochmal einen Exkurs zum Thema „Shui Qi“ (Ödeme, Gedunsenheit, Wassereinlagerungen). Nach einer Weile befreie ich meinen Patienten dann von seinen Nadeln und kriege umgehend aber auch welche von ihm verpasst, denn jetzt schließt sich ein allgemein praktischer Teil wieder an. Warum denn nur über Le8 sprechen? Natürlich wollen wir ihn auch stechen! Und da wir schon mal dabei sind sollen wir auch noch die Punkte Ma36 und MP6 mitnehmen. Eben dies sind die Punkte, welche ich nun auf der Liege liegend empfange.

Typische Dialogie, wie „Bist Du schon drin?“ oder „Ah…Oh…Stop!“ weiter machen wir erstmal eine Mittagspause.

Frisch gestärkt setzt sich der Unterricht um 14:15 Uhr fort. Wir reden ausführlich über die Le-Qi-Stase, welche Herr Thews uns mit Sätzen wie „Im Herzen hab ich Dich getragen, jetzt liegst Du mir schwer im Magen“ lebhaft näher bringt. Wir lernen welche Punkte hiergegen helfen und sich kombinieren lassen und welche Punkte wir widerum niemals zusammen stechen sollten. Nach den Le-Qi-Stase-Konzepten wenden wir uns dem „Jiang Jing“ zu, der unter anderem in der Lage ist die Wehentätigkeit bei einer Frau zuverlässig auszulösen. Natürlich würden wir ihn für den Fall sowieso nicht benutzen, da so etwas unseren Tätigkeitsbereich überschreitet. Doch ist die insbesondere die Information doch ganz interessant, dass selbiges auch bei einer Kuh wunderbar funktionieren soll. Nach weiteren transfixierenden Techniken zu diesem Punkt merke ich schon, dass mein Hun nicht mehr so ganz verankert ist, denn ich muss mich zusammenreißen gedanklich nicht von Thema abzuschweifen. Es ist mittlerweile Spätnachmittag und ich habe den Eindruck, dass nicht nur ich ein wenig müde bin. Nach einem kurzen Ausflug zum Thema Sammel-Qi, lässt sich eine Freiwillige noch den Punkt KG17 stechen.

 

Danach lernen wir noch diverse Muster zu den „Ru Bing“, den Brusterkrankungen kennen. Wir erfahren, dass Brüste, welche wie wunderschöne Knödel anmuten meist nur im Dirndl wie solche erscheinen. Einige Brüste und Östrogenmangel später hat sich mein Konzentrationsmangel noch weiter verstärkt und ich bin froh, dass der Unterricht nun auch zu Ende ist. „Bis nächsten Monat dann!“ verabschiede mich in die Runde. Auf dem Heiweh erwische ich mich dabei die Brüste anderer Frauen zu mustern… So weit ist es also schon gekommen… So interessant dieses Wochenende auch war, ich glaube ich brauche nun eine kleine TCM-Pause!

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„In welches Loch soll ich denn stechen?“

By admin | April 24, 2009

Es ist Freitag morgen. Mit einem großen Kaffee bewaffnet betrete ich unseren TCM-Klassenraum, setze mich auf meinen Platz und warte der Dinge die da kommen werden. Es fühlt sich nicht so an, als wäre der letzte Kurs bereits einen Monaten her. Alles ist noch so vertraut, als hätte ich gestern zuletzt hier gesessen. Herr Thews putzt fleißig die Tafel, während die bereits Anwesenden darauf warten, dass auch der Rest der Mannschaft eintrifft. Alles ist wie immer. Und schon wenige Minuten später sind wir komplett und der Unterricht beginnt – wie immer eben!

Herr Thews steigt mit einer grundsätzlichen Wiederholung ein und das erste mal fällt mir auf, dass sich der Satz „Das Individuum hat Qi“ so anhört, als hätte jemand niesen müssen und man gibt ihm ein freundliches „hat Qi“, also „Hatschi“ mit auf dem Weg. Lustig, das passt ja irgendwie auch! Dann finden wir alle einen kleinen Fragenkatalog mit dem Titel „Fragen zu Kardinalsymptomen“vor uns, den Herr Thews zuvor an jedem Platz deponiert hat, den es jetzt gemeinschaftlich zu erarbeiten gilt. Bei der ersten Frage „Herr Müller hat Durchfall. Beschreiben Sie einmal die folgenden Muster.“ kommt es zu schönen Stuhl-Diskussionen. Angefangen bei wässrig, nicht reizendem Durchfall, über blutig, brennenden, schleimigen Durchfall bis hin zu an der Kloschüssel klebendem, schwer abzusetzendem Stuhl mit eventuell noch enthaltenden Nahrungsresten „kauen“ wir alle Varianten gründlich durch. Ja ja, ich weiß noch wie unangenehm ich es noch vor einiger Zeit fand derart detailliert über Stuhl zu sprechen. Nun, so ändern sich die Zeiten! Fest? Geformt? Weich? Geschmeidig? Klebrig? Mit Stuhl kenne ich mich aus!

Zwischendurch kommt es zu der Situation das einige, ich eingeschlossen, den Punkt KG12 an sich selbst zu lokalisiern versuchen. Herr Thews kommentiert unseren Eifer nur mit den Worten: „Sie können sich doch nicht alle am Busen herum fummeln, während ich hier arbeite!“

Einige Schlafstörungen, Magenschmerzen, Fieber und rote Augen später beginnen wir mit dem eigentlichen Thema unseres Unterrichts-Blocks: die Gynäkologie! Wir erfahren, welche Zang-Fu-Organe und welche außerordentlichen Meridiane auf den Uterus einwirken und besprechen einige Zusammenhänge. Dann gehen wir auf die pathogenen Faktoren ein, welche den Uterus angreifen können, und besprechen an dieser Stelle eine Reihe von Symptomen. Hier muss ich zugeben, war mir bis heute nicht ganz klar, dass sich die Beschaffenheit des Periodenblutes doch so genau differenzieren lässt. Von Blut das Fäden zieht über Koagel und Fetzen gehen wir so ins Detail, dass mir sogar schon ein bisschen Übel wird. Und ich bin eine Frau! Wie fühlt sich nur unser einziger Mann im Kurs bei diesen blutigen Ausführungen?! Er ist auf jeden Fall sehr still…

Nun denn, im weiteren Verlauf erfahren wir, dass im Klimakterium die fruchtbare Frau zur furchtbaren Frau mutiert, sexuelle Aktivitäten während der Periode zu einer Xue-Stase führen können und das es eine unbeschreiblich unangenehmes olfaktorisches Erlebnis sein muss, wenn ein bereits 2 Wochen in einer Scheide ruhendes Tampon aus selbiger entfernt wird.

Dann schließlich besprechen wir den ersten Akupunkturpunkt des Tages, der den Namen „Bai Chong Wo“ trägt, was soviel bedeutet wie „100 Insektennester“. Diesem schließen sich die Punkte MP10 und MP 8 an, so wie letztendlich die „Ba Liao“ Punkte, die sich in den Foramina des Kreuzbeins befinden und sich übersetzt die „8 Kellerlöcher“ schimpfen. Nach ausführlicher Besprechung dieser Kellerlöcher, spricht Herr Thews: „ Wir brauchen einen Freiwilligen, an dem wir die Punkte einmal lokalisieren können!“. - Stille – Na klar, wie immer, denke ich. Keiner legt sich gerne freiwillig auf die Liege, zieht seine Unterhose ein Stück herunter und lässt die ganze Belegschaft mal anfassen. - Immer noch Stille – Gott noch! Soll ich es machen? In dem Moment meldet sich unser einziger Mann im Kurs leicht genervt und öffnet auf dem Weg zur Liege schon bereitwillig seine Hose. Als er so hilflos da liegt stürzen wir Frauen uns auch schon auf sein Kreuzbein und suchen eifrig nach seinen foramina sacrale.

 

 Ja wo sind sie denn nur? Ah, da sind sie ja! So nah beieinander? „Seine Foramina sind schwer zu tasten! Er hat ein sehr kleines Kreuzbein!“ sprichts Herr Thews in diesem Moment. Und damit sich unser Patient nicht in seiner Männlichkeit gekränkt fühlt, füge ich ihm zugewandt zu: „Die Rede ist ja lediglich von deinem Kreuzbein!“. Alle lachen darauf hin. Ich hab es nur gut gemeint, da Männer im Allgemeinen ja nun mit dem Wort „klein“ psychisch nicht allzu gut zurecht kommen…

Nun, im Anschluss beschließt Herr Thews wir bräuchten noch jemandem, bei dem man die Foramina besser lokalisieren könnte. Als Opfer bestimmt er die schlankste aus unserem Kurs und wir haben also ein neues Kreuzbein, welchen wir erkunden können.

Aha… Loch… Loch… noch ein Loch… wie schön! Ich bohre mit meinem Zeigefinger in den Kellerlöchern der Patientin herum und bin zufrieden! Ich hatte blöderweise von Anfang an nicht bedacht, dass Herr Thews sich sicherlich nicht mit dem bloßen Kellerlöcher bohren zufrieden geben wird. So kommt es, dass er sagt: „Wir brauchen nun jemanden, der sich hier stechen lässt“. Sein Satz steht im Raum…. und steht…. und steht…. Die Liege ist mittlerweile wieder leer und wartet darauf neu besetzt zu werden. Keiner sagt etwas. Jemand geht aufs Klo. Ich Idiot aber auch! Das hätte ich doch ahnen können. Hätte ich mich mal lieber als Tast-Opfer zur Verfügung gestellt… Als die Stille schier unerträglich wird platzt es dann aus mir heraus: „Ok, ich mach`s! Ich kann diesem Druck nicht Stand halten!“. Da öffnen meine Hände auch schon Gürtel und Hosenknopf und schwupps befinde ich mich auch schon bäuchlings auf der Behandlungsliege. Ich spüre viele Hände mein Kreuzbein erkunden. Herr Thews lobt meine anatomische Struktur an dieser Stelle: „ Schön! Hier kann man die Foramina sehr gut tasten!“. Wow! Na das hat noch nie jemand zu mir gesagt! Wann bekommt man schon mal ein Kompliment für sein Kreuzbein?! Während interessante Sätze meine Ohren erreichen, wie „Hier ist ein Loch…und da… und da ist ein tiefes….“ starre ich durch die Kopfaussparung der Behandlungsliege auf den grauen Teppichboden. In meinem Blickfeld befinden sich ein paar Füße eingekleidet in schwarze Socken mit Homer Simpson drauf. „Du hast ja den Homer auf deinen Socken“ spreche ich gen Teppichboden. Ein „Ja“ erklingt von oben und einer der Füße macht ein paar Dorsal- und Plantarflexionen. Ich muss grinsen. Doch schnell weicht mein Grinsen einem angespannten, erwartungsvollen Gesichtsausdruck, denn wie ich höre werde ich wohl gleich gestochen. Ich erhebe kurz mein Haupt und drehe es umständlich herum, um überhaupt zu erfahren, wer mir gleich Schmerzen zufügen wird. Aha! Ok! Dann blicke ich wieder auf grauen Teppichboden und Homer Simpson-Socken. „In welches Loch soll ich denn stechen?“ höre ich meine Therapeutin fragen. „Suchen sie sich eines aus!“ antwortet Herr Thews auf ihre Frage. Das ist eindeutig wieder ein was-zum-Teufel-tue-ich-hier-Moment in meinem Leben. Sieben Leute stehen im Halbkreis um meinen Hintern herum und einer davon ist noch unschlüssig in welches Loch er gleich hinein stechen möchte. Gute Güte! Als die Nadel schließlich in eines meiner Kellerlöcher implantiert wird bin ich auf alles gefasst. Mit geschlossenen Augen warte ich auf den potentiellen Stromschlag der mich gleich durchströmen wird oder eine andere De-Qi-Sensation. Doch nichts dergleichen passiert! Auch bei der zweiten Nadel, die in das gegenüberliegende Foramina gestochen wird, empfinde ich außer dem nicht zu vermeidenden Einstichschmerz keine Besonderheit. Puhh! Ich entspanne mich und öffne die Augen wieder, als Herr Thews das Werk meiner Therapeutin inspiziert: „Sehr gut gestochen!“. Ich bitte jemanden ein Foto zu machen und möchte dann jetzt gerne die Liege wieder verlassen.

Hallo? Ich drehe meinen Kopf zur Seite und suche meine Therapeutin, die sich gerade angeregt mit einer Kollegin unterhält. „Hallo?“ sage ich und daraufhin wendet sie sich mit einem ach-da-war-ja-noch-was-Blick zu mir und befreit mich von den Nadeln in meinen Kellerlöchern. Ahhh! Ich verlasse die Liege und ziehe meine Hose wieder hoch. Gute Güte!

Nach einem weiteren theoretischen Teil zum Thema begleitende Aromatherapie sollen wir uns zum Abschluss gegenseitig noch ein paar Blasen-Punkte stechen. Ich schnappe mir meine Kellerlöcher-Therapeutin, an der ich mich nun rechen darf, und beglücke sie mit Bl23 und Bl36.

 

Sie ist tapfer! Nach weiteren Lokalisations-Übungen ist der Unterricht dann für heute auch beendet. Noch beschwingt von meiner heldenhaften Tat mache ich mich auf den Heimweg… :-)

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Freude macht krank!

By admin | Februar 22, 2009

Karnevalssonntag, 08:15 Uhr. Die verregneten Straßen auf dem Weg zur Bahn sind wie leer gefegt. Es fehlen lediglich die klappernden Fensterläden und die vom Wind angetriebenen rollenden Steppenläufer, die durchs Bild ziehen. Ansonsten aber wirken die Straßen so ausgestorben wie eine Stadt im klassischen Westernfilm. Auch im Zug selber herrscht Totenstille. Nur ein paar Alkoholleichen beanspruchen gleich mehrere Plätze für sich. Ich suche mir einen der noch unzähligen anderen Sitzgelegenheiten aus uns starre auf ein paar am Boden liegende, in Bier getränkte Konfettis. Ja, das ist Karneval. Wie schön! In der Stadt angekommen sind dann doch mehr Menschen auf den Beinen als ich es für möglich gehalten hätte. Ich kaufe mir wie immer einen großen Kaffee, diesmal von einer als Cowgirl kostümierten Mitarbeiterin einer Bäckerei und gehe dann zur Schule. Die Eingangstür dort wird links und rechts von Erbrochenen gesäumt. Welch nette Begrüßung!

In der Klasse angekommen geht der Unterricht auch schon direkt los. Und im Zusammenhang mit den Milz-Mustern erfahre ich schon bald, dass Klöße bei echten Chinesen einen maximalen Ekelfaktor auslösen. Na da haben die die Kotze vor unserer Tür aber noch nicht gesehen! Im Anschluss reden wir dann über die Wandlungsphasen, darüber das Magen und Milz keine Morgenmuffel sind (ich übrigens schon!), und schließlich über das Herz im energetischen Sinne. „Das Herz ist der Kaiser“ sprichts Herr Thews „und der Dickdarm ist zum Beispiel nur ein Beamter“. Wow! Doch noch während ich mich wundere, wer da so alles in mir wohnt, höre ich zum ersten mal, dass Freude krank machen kann. Hä? Gerade möchte ich mit meinem Kiefer zucken und Herr Thews damit signalisieren, dass ich eine Frage habe, als dieser bereits näher auf seine Aussage eingeht. Ich erfahre, dass „Xi“ die pathologische Freude darstellt. Jene Freude, die man verbindet mit Spaß, Extase und Vorfreude. Viel gesünder sei dagegen „Le“. Die Freude, die man bei einem Theatergang, Kirchenbesuch oder auf dem Erntedankfest empfindet. Toll, denke ich, jetzt darf man noch nicht mal Spaß haben – außer auf einem Erntedankfest. Und ich dachte bislang, dass Lachen gesund wäre… Manchmal sind die Chinesen echt komisch!

Während wir im weiteren Verlauf über die Leere-Muster des Herzen sprechen, stellt eine Mitschülerin Herrn Thews zwischenzeitlich eine ganz andere Frage: „Haben sie ihre Frau schon einmal genadelt?“. Herr Thews blickt sie entgeistert an: „Ja selbstverständlich habe ich meine Frau schon einmal genadelt!“. Die Schülerin kommt zurück aufs Thema: „Würden sie jemanden bei einer Wochenbettpsychose nadeln?“. „Nein!“ antwortet Herr Thews spontan „eine Wochenbettpsychose gehört in die Psychiatrie!“. Aha, jetzt sind wir beim Thema Sorgfaltspflicht, merke ich. Aber worauf möchte meine Kollegin denn nur hinaus? „Und würden sie ihre Frau bei einer Wochenbettpsychose nadeln?“ fragt sie an dieser Stelle weiter. „Nein! Auch meine Frau müsste mit einer Wochenbettpsychose in die Psychiatrie!“ ist seine Antwort darauf. Hä? Den Dialog verstehe ich nicht, wohl aber die Quintessenz: eine Wochenbettpsychose nadelt man nicht, auch wenn man mit ihr verheiratet ist!

Einige Schlafstörungen und Herz-Füller-Muster später, sprechen wir über die Herz-Punkte. Bei He 7 forme ich meine Hand zu einer Art Gartenkralle, um meine Sehnen besser hervortreten zu sehen, und taste unbeholfen an meinem Handgelenk herum. Wie aus dem nichts taucht Herr Thews Zeigefinger in meinem seitlichen Blickfeld auf und bewegt sich zielsicher auf meinen He7-Punkt zu. „Da!“ spricht die Stimme aus dem Nichts. „Aha!“ sage ich ohne aufzublicken. Der Punkt He5 ist danach mit Leichtigkeit zu lokalisieren. Er wird uns auch als „Einkaufspassage zum Herzen“ beschrieben. Ah, dass kann ich mir merken. Ich bin eine Frau, da sollte man wissen wo die besten Einkaufspassagen zu finden sind!

Karnevalssonntag, 08:15 Uhr. Die verregneten Straßen auf dem Weg zur Bahn sind wie leer gefegt. Es fehlen lediglich die klappernden Fensterläden und die vom Wind angetriebenen rollenden Steppenläufer, die durchs Bild ziehen. Ansonsten aber wirken die Straßen so ausgestorben wie eine Stadt im klassischen Westernfilm. Auch im Zug selber herrscht Totenstille. Nur ein paar Alkoholleichen beanspruchen gleich mehrere Plätze für sich. Ich suche mir einen der noch unzähligen anderen Sitzgelegenheiten aus uns starre auf ein paar am Boden liegende, in Bier getränkte Konfettis. Ja, das ist Karneval. Wie schön! In der Stadt angekommen sind dann doch mehr Menschen auf den Beinen als ich es für möglich gehalten hätte. Ich kaufe mir wie immer einen großen Kaffee, diesmal von einer als Cowgirl kostümierten Mitarbeiterin einer Bäckerei und gehe dann zur Schule. Die Eingangstür dort wird links und rechts von Erbrochenen gesäumt. Welch nette Begrüßung!

In der Klasse angekommen geht der Unterricht auch schon direkt los. Und im Zusammenhang mit den Milz-Mustern erfahre ich schon bald, dass Klöße bei echten Chinesen einen maximalen Ekelfaktor auslösen. Na da haben die die Kotze vor unserer Tür aber noch nicht gesehen! Im Anschluss reden wir dann über die Wandlungsphasen, darüber das Magen und Milz keine Morgenmuffel sind (ich übrigens schon!), und schließlich über das Herz im energetischen Sinne. „Das Herz ist der Kaiser“ sprichts Herr Thews „und der Dickdarm ist zum Beispiel nur ein Beamter“. Wow! Doch noch während ich mich wundere, wer da so alles in mir wohnt, höre ich zum ersten mal, dass Freude krank machen kann. Hä? Gerade möchte ich mit meinem Kiefer zucken und Herr Thews damit signalisieren, dass ich eine Frage habe, als dieser bereits näher auf seine Aussage eingeht. Ich erfahre, dass „Xi“ die pathologische Freude darstellt. Jene Freude, die man verbindet mit Spaß, Extase und Vorfreude. Viel gesünder sei dagegen „Le“. Die Freude, die man bei einem Theatergang, Kirchenbesuch oder auf dem Erntedankfest empfindet. Toll, denke ich, jetzt darf man noch nicht mal Spaß haben – außer auf einem Erntedankfest. Und ich dachte bislang, dass Lachen gesund wäre… Manchmal sind die Chinesen echt komisch!

Während wir im weiteren Verlauf über die Leere-Muster des Herzen sprechen, stellt eine Mitschülerin Herrn Thews zwischenzeitlich eine ganz andere Frage: „Haben sie ihre Frau schon einmal genadelt?“. Herr Thews blickt sie entgeistert an: „Ja selbstverständlich habe ich meine Frau schon einmal genadelt!“. Die Schülerin kommt zurück aufs Thema: „Würden sie jemanden bei einer Wochenbettpsychose nadeln?“. „Nein!“ antwortet Herr Thews spontan „eine Wochenbettpsychose gehört in die Psychiatrie!“. Aha, jetzt sind wir beim Thema Sorgfaltspflicht, merke ich. Aber worauf möchte meine Kollegin denn nur hinaus? „Und würden sie ihre Frau bei einer Wochenbettpsychose nadeln?“ fragt sie an dieser Stelle weiter. „Nein! Auch meine Frau müsste mit einer Wochenbettpsychose in die Psychiatrie!“ ist seine Antwort darauf. Hä? Den Dialog verstehe ich nicht, wohl aber die Quintessenz: eine Wochenbettpsychose nadelt man nicht, auch wenn man mit ihr verheiratet ist!

Einige Schlafstörungen und Herz-Füller-Muster später, sprechen wir über die Herz-Punkte. Bei He 7 forme ich meine Hand zu einer Art Gartenkralle, um meine Sehnen besser hervortreten zu sehen, und taste unbeholfen an meinem Handgelenk herum. Wie aus dem nichts taucht Herr Thews Zeigefinger in meinem seitlichen Blickfeld auf und bewegt sich zielsicher auf meinen He7-Punkt zu. „Da!“ spricht die Stimme aus dem Nichts. „Aha!“ sage ich ohne aufzublicken. Der Punkt He5 ist danach mit Leichtigkeit zu lokalisieren. Er wird uns auch als „Einkaufspassage zum Herzen“ beschrieben. Ah, dass kann ich mir merken. Ich bin eine Frau, da sollte man wissen wo die besten Einkaufspassagen zu finden sind!

Einige He-Punkte weiter, bekommen wir noch einmal den Hinweis, dass chinesischen Wörter jeweils mehrere Bedeutungen zugeordnet sind. So heißt „Ma“ zum Beispiel nicht nur „Mama“, sondern auch „Arbeitspferd“ und „Reichtum“. Das wundert mich jetzt gar nicht. Ich sag ja, manchmal sind die Chinesen echt komisch!

Am Nachmittag lernen wir noch, wie wir Menschen helfen können, die unten 30.000 Volt haben, aber oben trotzdem kein Lichtlein brennt. Auch unkontrolliertes „furzeln“ und diverse andere Nieren-Muster werden uns nahe gelegt. Nach all der Informationsflut fühle ich mich nun selbst, als wäre ich zu dumm zum Milch holen, und bin froh, dass wir heute schon früher den Unterricht beenden. Es ist Karnevalssonntag, 16:00 Uhr. Wieder spaziere ich durch verregnete Straßen und nehme mir fest vor, bis zum nächsten Akupunkturkurs fleißig zu lernen. Doch jetzt ist erstmal Karneval!

 

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