« Das Karnickel im Karnickelzuchtverein | Home | Nix gesagt ist Lob genug! »
Mein Po ist nicht verankert!
By admin | Mai 23, 2009
Am heutigen Tage beginnt der letzte Block meiner Akupunkturausbildung. Diesmal soll das Thema Psyche im Mittelpunkt stehen. Doch zunächst einmal starten wir mit einer Wiederholung der Thematik des letzten Blockes: Gynäkologie. Das klappt erstaunlich gut und ich bin innerlich stolz, anscheinend doch ein ganz gutes Gedächtnis mein Eigen nennen zu können.
Kurz danach steigen wir in das neue Thema ein und lernen auch schon, dass Gefühle haben zunächst einmal positiv zu bewerten ist. Aha! Davon bin ich bislang auch einfach einmal ausgegangen. Doch gäbe es tatsächlich auch Gefühle, welche krank machen könnten. Ach ja? Letzteres seien meist die Gefühle, welchen kein Ausdruck verliehen wird. Hm… soweit so gut! Gefühle, die man hinunterschluckt sind also nicht gesund. Das klingt logisch! Was jetzt bald schon nicht mehr ganz so logisch klingt, ist das auch Freude ein Gefühl ist, welches krank machen kann. Wie bitte? Wir gehen näher auf die „Zhi Qing“ (die inneren pathogenen Faktoren) ein und lernen das „Le“ die gute Freude ist, welche man zum Beispiel beim Lesen eines guten Buches empfindet und „Xi“ die pathologische Freude darstellt und für Extase und allgemeines „Spaß haben“ steht. Ja, jetzt erinnere ich mich… dieses Thema hatten wir schon einmal angesprochen und schon damals war ich entsetzt, weil ich bislang geglaubt hatte lachen sei in jedem Fall gesund. Nun denn, noch bevor ich erfahre welche meiner Emotionen mich noch schädigen können, stellt eine Mitschülerin eine allgemeine Frage zur Nadeltechnik. Herr Thews hatte ja auch gesagt: „ In der Zeit, wo wir noch zusammen sind, sollten sie ihre Fragen artikulieren!“. Die Frage dreht sich um sedierende und tonisierende Nadeltechniken. Die Mitschülerin hatte diesbezüglich wohl in mehreren Büchern etwas gelesen, was sich nun nicht mit den Aussagen von Herrn Thews zu decken schien. Jetzt sei sie verwirrt. So machen wir nochmals einen geistigen Ausflug zu den Nadeltechniken, bei dem unser Dozent aber standhaft bei seiner Meinung bleibt. Der Dialog setzt sich fort und meine Augen fokussieren abwechselnd die beiden Redner. „Aber Herr Thews, in jedem Buch steht ….“ — „Nicht in meinen Büchern!“ — „Ihre habe ich ja auch gar nicht gelesen!“ — „Oh, dass war jetzt ein tiefes Fettnäpfchen!“ bringt Herr Thews den Dialog zu Ende. Ich lausche entspannt, denn beide lächeln. Kein aggressiver Unterton – gut so, dass wäre ja bestimmt auch nicht gesund gewesen! Womit wir auch schon wieder beim Thema wären…
Neben der guten und der bösen Freude gibt es noch „Nu“ (der Ärger), „Bei“ (die Trauer), „Si“ (die Sorge) und „Kong“ (die Angst ). Mit der letzten Information bekommt nun auch der Name „King Kong“ eine völlig neue Bedeutung: König der Angst. Seien die Gefühle ausgewogen, so wäre das physiologisch. Wenn aber nun eines stark überwiegt, sei das als pathologisch zu bewerten. Wann aber ist ein Gefühl noch normal und wann nicht? Herr Thews hält nun einen interessanten Monolog über Gefühle und beginnt anschließend uns spezielle Techniken gegen diverse psychische Störungen zu erläutern. „Der Dämon schreit“, „Die Geister weinen“ und „die 4 Öffner“ weiter unternehmen wir einen geistigen Ausflug zum Thema Suchttherapie. Jemand befindet währenddessen: „Das wird für den Patienten aber sehr teuer…!“. Dieses Argument hebelt Herr Thews jedoch sofort mit dem Satz „Drogen sind auch ziemlich teuer!“ aus. Hm, da hat er wohl Recht!
Im weiteren Verlauf sprechen wir noch einmal die „Wu Shen“, die 5 mentalen Fähigkeiten an. Es handelt sich im einzelnen um „Po“ die Atemseele, „Shen“ der Geist, „Hun“ die Reinkarnationsselle, „Xi“ die Phantasie und „Zhi“ die Willensstärke. Unterdessen erlange ich die Erkenntnis, dass mein Po anscheinend nicht verankert ist. Und damit ist jetzt nicht mein Hinterteil gemeint, sondern meine Atemseele. „Alle Raucher sind auf der Suche…“ sprichts Herr Thews und scheint damit mehr zu wissen, als ich selbst. Aha, wonach suche ich denn? Ich formuliere die Frage besser einmal laut: „Wonach denn?“ frage ich. „Nach einer Gruppenzugehörigkeit!“ sagt der Dozent. Hm… darüber muss ich bei Gelegenheit einmal nachdenken. Vielleicht bei einer Zigarette mit den anderen Rauchern in der Pause…
Depressive Lungenschwächlinge, psychische Mauerblümchen und die Erkenntnis „Mein Dorf ist mein Horizont“ weiter ist der Unterricht für heute beendet. In einer leicht wehmütigen Stimmung treten wir alle den Heimweg an – morgen wird der letzte Tag sein! Also, der letzte Tag von der Ausbildung versteht sich!
Topics: Mein Tagebuch |



Oktober 1st, 2009 at 11:08
Hi, das ist ja sehr interessant! Finde eigentlich dein ganzen Blog schon sehr schön.Danke für all diese Infos und Tipps! Weiter so!
Gruß Karsten