Das Finale – die mündliche Heilpraktikerprüfung
By admin | November 15, 2008
Mein persönliches Gefühlchaos-Boot ist nun also nach vorne über den Abhang gekippt. Es war eine rasante Fahrt einen steilen Berg hinunter, bei der ich teilweise dachte: „Vanessa, das überlebst du nicht!”. Herzrasen, Atemnot, Magenkrämpfe. Tatsächlich aber dann - schneller als ich es für je für möglich gehalten hätte -, ist das Boot heil an seinem Ziel angekommen. Unglaublich aber wahr! Und wie das nach einer solchen Wildwasserfahrt so ist, freut man sich im Nachhinein riesig, dass man den Mut hatte in dieses verdammte Boot einzusteigen!
Hier nun die ungeschönte Wildwasserfahrt von Anfang bis Ende:
Die Nacht von Dienstag auf Mittwoch war furchtbar. Einige medizinische Gedankengebirge habe ich in der Dunkelheit noch erklommen. Und von vielen bin ich auch abgestürzt… „Sch*e, das weißte nich mehr….. sch*e wie war das nochmal?…. bor K*cke… keine Ahnung!”. Ich weiß nicht, wann der Sandmann mich letztendlich erlöste, aber irgendwann war ich eingeschlafen… Um 7:10h heulte der Wecker dann auf. Dieses penetrante Geräusch werde ich wahrlich nie lieben lernen - und schon gar nicht an so einem Tag! Mit nass geschwitztem Nachthemd erhob ich mich aus dem Bett. Nun war also der Tag gekommen, der Tag der Entscheidung, das große Finale! Und mir war jetzt schon ganz übel… „Schatzi, ich kann das nicht! Ich will das nicht! Kannst du nicht machen das es schon vorbei ist?!” - die klagenden Worte richteten sich an meinen Freund. Er nahm mich darauf hin fest in die Arme und spendete mir eine große Portion Trost. Aber, verflixt, das nützte überhaupt nix! Als er das Haus verließ und zur Arbeit fuhr blickte ich ihm hinterher und dachte: Wenn du heute Abend wiederkommst, triffst du entweder auf ein Häufchen Elend oder aber auf den glücklichsten Menschen der Welt. Auch für ihn hoffte ich letzteres, denn die vergangenen Wochen waren für Schatzi zwangsläufig nicht sonderlich angenehm gewesen…
Es kam der Zeitpunkt, an dem ich schließlich angezogen und mit gepacktem Rucksack das Haus verließ. Ich hatte mich letztendlich für eine dunkelblaue Jeans entschieden, einen schwarzen Rollkragenpullover und meine Lieblings-Stiefel, die sich aber unter meiner Hose verstecken mussten. Mein Papa fuhr mich und meine seelische Unterstützung - meine Mama! - zum Bahnhof. Bevor wir dort aus dem Auto stiegen, gab mein Papa mir einen Kuss auf die Stirn und meinte damit sei ich nun gesegnet und es könne nichts mehr schief gehen. Leider tat auch das meiner Angst keinen Abbruch… „Hast du Skippi und Oma auch eingesteckt?” fügte er noch hinzu. „Skippi” ist ein Känguru-Stofftier und „Oma” eine Handpuppe. Beide hatte er mir noch zu Hause gegeben und ich hatte sie zwischen Reflexhammer und Blutdruckmanschette in meinen Rucksack gestopft. Die zwei haben in unserer Familie schon viel erlebt. So waren sie schon mit meinem Papa im Krankenhaus und auch mit meinen Eltern im Urlaub - bisher haben sie immer Glück gebracht! „Ja, aber natürlich habe ich das!” antwortete ich und verließ mit meiner Mama das Auto.
Wir gingen zum Bahnsteig herüber und warteten auf die Bahn, die laut Anzeigetafel schon längst hätte da sein müssen. .. Ohnehin schon nervös durchströmte mich ein nicht zu verachtender Panikschub. Was wenn die Bahn nicht kommt? Was wenn sich ausgerechnet heute einer davor geschmissen hat und es zu einem so genannten „Personenschaden” gekommen war? Oh mein Gott und Gute Güte! Ich würde das große Finale einfach verpassen. Gänzlich unentspannt trippelte ich auf der Stelle: „Mama, was wenn die Bahn nicht kommt?”. „Dann nehmen wir uns ein Taxi! Wir haben doch noch Zeit!” entgegnete sie heldenhaft. Der nächste pessimistische Gedanke erfüllte daraufhin meinen Kopf: „Mama, und was wenn wir mit dem Taxi in einen Stau geraten?”. „Das wird nicht passieren!” sagte sie, „Woher willst du das denn wissen?” sagte ich. Doch während ich fleißig dabei war ihr auch noch ihren letzten Nerv zu rauben, denn viele hatte sie wahrlich nicht mehr übrig, kam die Erlösung: die Bahn! Wir stiegen ein und setzten uns nebeneinander. Ich wibbelte mit den Füßen wild umher und schaute aus dem Fenster, an dem unendlich viele Häuser vorbei rasen zu schienen. Gesehen habe ich aber eigentlich nichts, denn in Gedanken war ich ausgiebig damit beschäftigt nicht ohnmächtig zu werden. Meine Mama saß zu meiner Linken und las mir Neuigkeiten aus der Bildzeitung vor: „Stell dir vor, da hat ein Papagei ein Kind gerettet! Die Kleine hatte sich verschluckt und die Mama war gerade kurz ins Bad gegangen. Da hat der Papagei gerufen `Mama Baby`und die Mutter konnte dann ihr Kind retten! Ist das nicht irre?”. „Ja, krass!” sagte ich leicht abwesend und war mir nicht sicher, ob ich die Geschichte glauben sollte. Auch wenn ich sowieso nur mit halbem Ohr zugehört hatte, überlegte ich jetzt doch angestrengt, was ich nochmal mit einem Menschen tue, der sich verschluckt hat. Arme hoch und auf Rücken klopfen? Nach vorne über beugen und noch fester auf Rücken klopfen? Der Heimlich-Handgriff wäre die „ultima ratio” - der letzte Lösungsweg - da man dabei ja noch soviel andere Strukturen kaputt machen kann. Aber das höchst zu schützende Gut ist ja das Leben! Nun, momentan machte ich mir aber erstmal um mein eigenes Leben sorgen… Mein Horoskop und noch viele anderen „spannende” Neuigkeiten später wendete ich mich meiner Mama zu: „Mama, ich kann das nicht! Ich hab Angst!”. „Mach mich doch nicht so verrückt!” antwortete sie tatsächlich. Ja wie jetzt, denke ich und sage gereizt: „Du musst da ja auch nicht reingehen!”. Wir schauten uns an und ich war echt froh, dass sie gerade da war. Schwer atmete ich aus und blickte wieder aus dem Fenster. Die Leute um uns herum lauschten schon interessiert und richteten heimlich ihre Augen auf uns, was ich in der Reflexion der Scheibe genau sehen konnte, aber das war mir total egal!
In der Stadt angekommen liefen wir noch einige Minuten herum, ich rauchte und Mama kaufte mir ein Brötchen, in das ich einmal hinein biss - mehr ging einfach nicht. Viele jammernde Worte und Panikschübe später standen wir dann vorm Gesundheitsamt. Ich hielt kurz inne, atmete tief durch und stieß dann die Türe auf. Dem Pförtner hielt ich am Eingang meine Einladung an die Scheibe seines Glaskastens, die er genau studierte. Dann wies er uns schließlich den Weg.
Kurz darauf erreichten wir den Gang, an dessen Ende sich die „Höhle des Löwen” befand. Eine Frau saß dort auf einer kleinen Sitzreihe und fragte: „Auch für die Heilpraktikerprüfung da?”. „Ja” antwortete ich mich heiserer Stimme. „Wer von euch geht denn zur Prüfung?” fragte sie weiter und schaute uns beide an. „Ich” antwortete ich wortkarg und stellte mir vor wie schön es wäre, wenn meine Mama das für mich machen könnte… Bevor wir weiter sprechen konnten, wurde die Frau schon in die „Höhle” hinein gerufen. Mama und ich platzierten uns auf die Sitzgelegenheiten. „Na das kann ja noch dauern, wenn deine Vorgängerin jetzt erst rein gerufen wird…” sprach Mama. Ich stütze das Kinn in meine Handflächen: „Ja, dass wundert mich jetzt auch, wir haben doch schon viertel vor 11!”. Ich war darauf gefasst noch eine quälende Stunde warten zu müssen. Doch bereits 5-10 Minuten später kam meine Vorgängerin aus dem Raum wieder heraus. Wir starrten sie erwartungsvoll an und erst jetzt begriff ich, dass ihre Prüfung schon gelaufen und sie nur noch herein gerufen worden war, um ihr Ergebnis zu erhalten. Kopfschüttelnd kam sie auf uns zu und hockte sich vor uns. „Durchgefallen!” sagte sie traurig. „Wie war es denn?” fragte ich. „Furchtbar!” war ihre Antwort. Na supi aber auch, meine Aufregung wuchs zu einem Hochhaus heran. Kurz darauf wurde ich dann schließlich von einem der Beisitzer geholt, es war Punkt 11 Uhr.
Es ging durch zwei Türen hindurch in einen kleinen Raum hinein. Nein, nein, nein dachte ich. Vanessa, rock das Haus! - dachte ich auch. Doofes Haus, doofes Haus! Ich will nicht! Rock es! Da war der Raum schon betreten. In der Mitte stand der Tisch, an dem die Amtsärztin und die andere Beisitzerin saßen. Wir begrüßten uns und ich setzte mich auf den Prüflings-Stuhl. Die Atmosphäre war wirklich freundlich, und meine Aufregung legte sich ein wenig. Zunächst kam der offizielle Teil, indem ich bestätigen musste, dass ich mich körperlich in der Lage fühle nun die Prüfung zu machen und das ich einverstanden bin, dass ein Tonband mit läuft.
Die Amtsärztin fragte mich zunächst, ob ich aus dem medizinischen Beruf komme. Und ich antwortete, dass das nicht der Fall sei und ich ursprünglich eine Ausbildung zur Mediendesignerin gemacht habe. Ich erzählte von meinem Schlüsselerlebnis mit der Mandel-Op, nach der ich den Mund nicht mehr öffnen konnte und mir eine Ohrakupunktur bei einem Heilpraktiker innerhalb von Sekunden geholfen hatte, so dass ich danach Pommes essen konnte. „Das ist aber keine biologisch-dynamische Kost” wurde meine Geschichte lächelnd kommentiert. „Ich weiß, aber das war mir in dem Moment egal!” sagte ich wiederum. Weiter wurde ich gefragt, womit ich denn später einmal arbeiten möchte und ich antwortete: „TCM. Ich habe in den Bereich schon herein geschnuppert, wollte eine komplette Ausbildung aber erst nach der Prüfung anschließen”. Darauf hin erhielt ich meine erste Frage: Komplikationen Akupunktur. Ich erzählte von Schäden an Nerven und Gefäßen. Entzündungen, insbesondere wenn unsteril gearbeitet wird und dem Pneumothorax. Dann erwähnte ich noch die vagovasale Synkope und ritt mich damit in die nächste Frage hinein: „Was ist denn eine vagovasale Synkope? Erklären sie den Pathomechanismus”. Ups, darüber hatte ich mir ja noch nicht viele Gedanken gemacht. Vanessa, wir müssen improvisieren! Ich erzählte von einer durch den Reiz bedingten sympathikotonen Lage, die parasympathisch umschwenkt und zu Blutdruckabfall und Synkope führt. Ich weiß nicht mehr, was ich noch sagte. Im Nachhinein wäre es cool gewesen zu erwähnen, dass „vago” vom 10. Hirnnerv, dem „nervus vagus” herrührt und „vasal” von den Gefäßen abgeleitet ist. Aber das fiel mir natürlich gerade mal nicht ein…
Im Anschluss sollte ich die Blutdruckmechanismen erklären. Mir fiel der juxtaglomeruläre Apparat ein mit dem Renin-Angiotensin-Aldosteron-System, die Rezeptoren am Glomus Caroticum, das ADH aus dem Hypophysenhinterlappen und der Atriale natriuretische Faktor aus dem Herzen. Ich erklärte alles ansatzsweise, doch irgendwie waren sie noch nicht zufrieden. Jetzt erst kam ich darauf was sie wohl hören wollten und sprach noch über die Grundspannung der Gefäße, die Herztätigkeit an sich und die Regulation über das Vegetativum (Sympatikus/ Parasympatikus). Weiter ging es über Differentialdiagnose: Bradykardie. Ich gab die Definition zum besten, berichtete über physiologische Bradykardie bei Sportlern und erwähnte weiterhin die Hypothyreose, Unterkühlung, das Sick-Sinus- und das Carotis-Sinus-Syndrom. Danach sollte ich einen AV-Block erklären. Hier riss ich kurz an, wie die Reizleitung im groben funktioniert (beim Sinusknoten angefangen) und erklärte was nun passiert, wenn der AV-Knoten ausfällt. Ich war stolz, dass mir der Adam-Stokes-Anfall auch noch in diesem Zusammenhang einfiel. Desweiteren erwähnte ich noch, dass es beim AV-Block eine Einteilung in 3 verschiedene Schweregrade gibt. Die musste ich aber nicht erklären. Gott sei Dank, ich weiß nämlich nicht, ob ich das noch zusammen gekriegt hätte…
Nachdem ich mit Beispielen ausführen sollte, was Autoimmunerkrankungen sind, kam ein Fall: „50 jähriger Mann kommt mit Rückenschmerzen zu ihnen und möchte akupunktiert werden”. Ich nahm meinen Block auf den Schoss, den Stift in die Hand und begann mit der Anamnese. Ich will das Ganze abkürzen: Es stellte sich heraus, dass er Lagerarbeiter ist, Rückenschmerzen schon öfter hatte, aber diesmal fühlte sich das anders an. Ich erfragte den Schmerz genauer, klopfte unter anderem die B-Symptomatik ab und zog mein Schema einfach durch. Als Vorerkrankung stellte sich eine Prostatahyperplasie heraus und das er schon lange nicht mehr beim Urologen war. Es gab Schwierigkeiten beim Wasser lassen, jedoch keine Farbveränderungen. Blutdruck, Puls und Blutzucker waren normal. Meine körperliche Untersuchung wurde dann auch schnell abgekürzt. Ich wollte am Kopf anfangen (Hautfarbe, Konjunktiven, Lider, Pupillen etc.), doch mir wurde schnell gesagt: „Der ganze Kopf ist ohne Befund!”. „Gut, dann mache ich am Hals weiter!” sagte ich darauf hin. Hier stellte ich fragen nach gestauten Halsvenen, Lymphknoten, Schilddrüse - alles ohne Befund. Auch die Herz-Lungenuntersuchung ergab nichts (was ich auch nicht erwartet hätte, aber ich wollte zeigen, dass ich an alles denke). Schließlich bei der Nierenperkussion schrie der Patient dann auf. Trotzdem habe ich noch die Dornfortsätze perkutiert - ohne Befund. „Gut, ich habe eine Verdachtsdiagnose” sagte ich und erwähnte auch, dass ich zunächst geglaubt habe die Reise ginge Richtung Knochenmetastasen nach Prostata-Ca. Aber jetzt wollte ich einen Urinstick haben und hier bestätigte sich mein Gedanke einer Pyelonephritis: Leukos und Nitrit positiv. Auch nachfragen erhielt ich auch noch Proteine. Ich schickte ihn zum Arzt, da er ein Antibiotikum brauchte. Dann sollte ich noch erklären, wie die Prostatahyperplasie damit zusammenhängt (Rückstau).
Die Beisitzerin quälte mich im Anschluss mit der Anatomie des Knie- und des Sprunggelenks. Ich konnte zwar einiges sagen, aber offensichtlich nicht genug. Mir wollte zum Beispiel einfach nicht einfallen, wie genau die Patella befestigt ist. Ich war ziemlich am schwimmen und flüsterte zwischendurch das ein oder andere „Oh Gott” vor mich her und atmete schwer. Auch wo die Gelenkschmiere gebildet wird, war plötzlich ein Rätsel für mich… alles weg! Irgendwann wurde ich erlöst mit einem anderen Thema. Fallbeispiel: Handwerker von nebenan kommt zu ihnen, hat sich den Daumen verletzt, es blutet. Puhh, das ging nun wieder. Erstversorgung und ab zum Durchgangsarzt (alles etwas ausführlicher natürlich). Im Nachhinein, wäre es ja ziemlich cool gewesen ihn noch auf seinen Tetanus-Schutz hinzuweisen… Aber auch das war weg!
Was nun vom zweiten Beisitzer kam gibt meine Erinnerung einfach nicht mehr her. Aber es war auf jeden Fall nicht mehr viel, denn dann musste ich schon eine Infusion legen. Hier habe ich von der hygienischen Händedesinfektion angefangen jeden einzelnen Schritt haarklein kommentiert.
Und schwupps waren 45 Minuten vorbei und ich wurde raus gebeten. Meine Mutter saß noch dort, wo ich sie geparkt hatte. Ich setzte mich daneben: „Und?” fragte sie. „Ich hab keine Ahnung!” antwortete ich und stütze wieder das Kinn auf die Hände. Ich weiß nicht, ob es vielleicht an mir lag, aber ich konnte die ganze Zeit nicht einschätzen, ob es gut oder Bockmist war, was ich da so von mir gegeben hatte. Wir warteten ich glaube 5-10 Minuten und ich konnte nicht fassen, dass die Wildwasserfahrt vorbei war. Nur wusste ich immer noch nicht, ob das Boot nun sicher im Hafen gelandet oder am Ende doch gegen eine Wand geknallt war. Ich war einfach völlig leer…
Endlich wurde ich dann wieder in die „Höhle” gerufen, die mittlerweile zur Postars-Bühne mutiert war. Hier würde ich nun verkündet kriegen, ob ich in der Band mitspiele oder nicht! Zunächst wurde ich gefragt, wie ich es selber gefunden habe. Ich antwortete etwas von ganz ok, ein bisschen peinlich mit dem Kniegelenk die Sache.. nun und überhaupt ich wäre halt sehr aufgeregt gewesen… Dann erreichten die erlösenden Worte meine Ohren: „Herzlichen Glückwunsch! Sie haben bestanden!”. Das größte aller bisher da gewesenen Lächeln machte sich auf meinem Gesicht breit. Das Gefühl war unbeschreiblich, am liebsten hätte ich direkt los geheult. Was nun im Einzelnen noch geredet wurde, vermag mein Hirn nicht mehr wiederzugeben. Ich erinnere mich, dass ich mit Skippi, dem Känguru-Stofftier herum wedelte und erzählte das meine Mama mich immer abgefragt hatte und die die Infektionskrankheiten schon gar nicht mehr sehen konnte. Dann fiel mir auf, dass ich darüber ja auch gar nichts gefragt worden war.”Wir können ja auch nicht alles fragen”, war die Antwort. „Nein sicher, aber man muss ja für alles gewappnet sein” sagte ich. Peinlicherweise gab ich dann noch von mir, dass ich jetzt erstmal meine Wohnung aufräumen werde, da ich die ja total vernachlässigt hätte in letzter Zeit. Nun und nach einem abschließenden Händeschütteln war ich schließlich frei. Frei! Frei! Frei! Unglaublich!
Ich stürmte auf meine Mama zu, die mich mit glasigen Augen umarmte. „Mama, ich hab es geschafft!”, jetzt kamen mir auch die Tränen. Emotional, wie es sich für Frauen gehört, standen wir nun eng umschlungen im Gesundheitsamt . Arm in Arm, fassungslos, überglücklich. „Lass uns gehen, ich möchte hier raus!” flüsterte ich und wir machten uns auf den Weg an die frische Luft, wo ich mir als Erstmaßnahme zunächst eine Zigarette anzündete. Es reihten sich beiderseits halbe Sätze aneinander, die Worte wie „Ultrakrass”, „Ich glaub das nicht”, „Es ist vorbei!”, „Ich hab mein Leben zurück!” beinhalteten. Kopflos gingen wir dann Richtung Kaffee und eine weitere Zigarette musste dran glauben. Bei einem viel zu teuren Piccolo und einer Portion Spaghetti Carbonara ließ ich das Geschehene dann Revue passieren. Ungläubig, fassungslos, glücklich!
Beschwingt gingen wir dann shoppen. Einen Pullover, einen Gürtel, ein paar Schuhe und einige CD`s später fuhren wir schließlich nach Hause. Es schloss sich ein feuchtfröhlicher Abend mit viel Wein und Sekt an, in Gesellschaft meiner Eltern und meines Freundes!
Bis heute kann ich nicht fassen, dass es vorbei ist. Vorbei! Ich bin Heilpraktikerin! Glaub ich nicht! Bestimmt träume ich das alles, wache gleich auf und muss zur Prüfung gehen. Irgendwo muss doch ein Haken sein! Wo ist der Haken?
Einen Tag nach dem Ereignis habe ich erstmal einen 5-Stunden-Hausputz hingelegt und meine Unterlagen und Bücher fein säuberlich in die Ecke verfrachtet!
Wie es jetzt weitergeht? Keine Ahnung! Zunächst genieße ich das beschwingte Gefühl, dass mich immer noch durchströmt. Dann werde ich gucken, wie es mit Praktika aussieht und mit meiner TCM-Ausbildung - wir werden sehen!
Ich möchte allen, die die Wildwasserfahrt noch vor sich haben viel Glück wünschen! Die Zeit davor , die Zeit kurz vorm Abhang, ist die schlimmste. Aber sie geht vorbei! Ich hätte das auch nie für möglich gehalten, aber sie geht vorbei. Und wie gesagt, danach freut man sich in das Boot eingestiegen zu sein. Das schlimmste ist wohl insgesamt die Angst vor der eigenen Courage, die Angst das man die Nerven verliert. Aber wenn es darauf ankommt funktioniert man dann doch! Wie sehr habe ich mich vor einem Blackout gefürchtet oder vor Fragen, die ich absolut nicht zu beantworten weiß. Aber es ging und die Fragen waren, wie ihr gesehen habt, absolut machbar! Ich weiß, dass mir jetzt keiner glaubt der den Abhang noch vor sich hat. Aber ihr werdet sehen! Und ich würde mich sehr freuen, wenn ich mir mailt oder Kommentare schreibt, wie es bei Euch gewesen ist! Danke für Euer Daumen drücken! Es hat geholfen! Nun werde ich für Euch die Daumen drücken!!!! Ganz fest!!!
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Bestanden :-)
By admin | November 12, 2008
- Ohne Worte -
(mehr in Kürze)
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Arsch auf Grundeis
By admin | November 11, 2008
Wer schon mal in einem Freizeitpark war und dort in eine Attraktion eingestiegen ist, bei der es hoch hinaus und noch tiefer herunter ging, der weiß wie ich mich momentan fühle. Ich war schon oft im Phantasialand und liebe dort die Wildwasserbahn. Man setzt sich in dieses Boot und wird schließlich erstmal große Berge hinauf gezogen. Dann gibt es ein paar Kurven, das Wasser spritzt, ein paar kleine Abgründe hinunter - bis dahin ist die Welt noch in Ordnung. Dann aber irgendwann treibt man ganz langsam auf den tiefsten aller Abgründe zu. Rechts und links kann man herunter schauen, die Menschen sehen von hier aus wie kleine emsige Ameisen. Das Boot hält kurz an und man blickt nach vorne. Der steilste aller bisherigen Abgründe tut sich vor einem auf. Ab einem bestimmten Punkt beginnt das Boot bereits zu kippen. Das Herz rast und der Moment ist gekommen, indem man denkt: „Warum zur Hölle bin ich in dieses sch*ß Boot nur eingestiegen?!”. Der Arsch geht einem auf Grundeis, aber man kann einfach nicht mehr zurück… Wieso tut man sich so etwas nur freiwillig an? Man schließt die Augen und wartet der Dinge, die sich nicht mehr vermeiden lassen… So fühle ich mich jetzt auch, hier und heute. Wieso bin ich in dieses nur Boot gestiegen?! Mein Herz klopft, ich hab Angst. Doch der einzige Ausweg ist die Flucht nach vorne…
Morgen ist nun der Tag, auf den ich ca. 3 Jahre hin gearbeitet habe. Jetzt stehe ich hier und fühle mich wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Morgen um die Zeit werde ich wissen, ob das Reh überlebt hat. Irgendwie muss ich dem Reh zumindest als Tarnung noch ein Tigerkostüm basteln… Hach, ich hoffe so sehr auf ein Happy End…
Aber ich kriege nichts mehr in meinen Kopf rein. Aufgeregt blättere ich durch meine Unterlagen und das einzige was bleibt ist das Gefühl, dass ich überhaupt gar nichts weiß. So kann ich doch da morgen nicht hingehen?! Doch ich kann, ich muss sogar! Ich denke, ich werde mich heute irgendwie einfach ablenken müssen. ABER WIE SOLL DAS NUR GEHEN?
Ich beneide meine Katze! Ich habe sie selten so beneidet, wie jetzt gerade in diesem Moment. Sie räkelt sich auf meinem Schoß und schnurrt mich mit müden, zugekniffenen Äuglein an. Ihre Krallen bohren sich zärtlich durch meine Jogging-Hose in meinen linken Oberschenkel. Es stört sie nicht im geringsten, dass ich aufgeregt mit meinen Füßen herum wackle. „Lass uns tauschen, Lilly, ja? Du gehst da morgen für mich hin und ich lege mich stellvertretend für dich auf die Fensterbank. Wird bestimmt keinem auffallen, ok? Ich esse auch dein Futter wenn es sein muss…”. Zur Antwort ernte ich ein ausgedehntes Gähnen. Das darf doch wohl nicht wahr sein?! „Langweilen dich meine Sorgen etwa? Ich dachte wir sind Freunde!”. Schnell besinne ich mich jedoch, dass eine Katze wohl kaum der richtige Ansprechpartner für ein Seelsorge-Gespräch dieser Art ist. „Entschuldige, du kannst ja nichts dafür…”, aber da ist sie mir schon längst vom Schoß gehüpft.
Ich renne runter in die Küche zu meiner Mama: „Hach, ich bin ja so aufgeregt”. Sie schaut mich an und sagt nur :”Ja, ich auch!”. Hm, sie sollte mir doch an dieser Stelle Trost spenden, was war das denn jetzt? Nun, aber nicht alleine aufgeregt sein zu müssen ist ja nun auch eine Form des Trosts. Zur Ablenkung mache ich heute das Mittagessen. Und während ich so Pfannkuchen fabriziere und zwischenzeitlich mal ein Ei auf den Boden fallen lasse, bin ich damit beschäftigt schwer zu atmen. „Hach” und „Hm” ist vorerst das einzige, was man von mir vernehmen kann.
Nach dem Essen geht’s nochmal auf einen Spaziergang. Ich kann es mir nicht verkneifen einige meiner Unterlagen mit zu schleppen und lasse mich nochmal über Infektionskrankheiten abfragen. Zu Anfang läuft es ganz gut, im weiteren Verlauf bringe ich einiges durcheinander und am Ende bringe ich einfach alles durcheinander. Da ist schließlich der Punkt: Was ich heute nicht weiß, dass werde ich auch morgen nicht wissen! Und wieder sind die Würfel gefallen…
Einen Besuch bei Oma und einen kleinen Bummel später gucke ich schließlich aus meinem Wohnzimmerfenster. Die Sonne ist bereits untergegangen, das letzte mal vor dem großen Ereignis.
Ich denke nach. Mein Freund hat mir glaubhaft versichert, dass er mich auch noch liebt, wenn sich herausstellen sollte das ich „eine Gefahr für die Volksgesundheit” bin. Das ist ja immerhin beruhigend. Aber ich wäre selbst so furchtbar enttäuscht… „Hach”, da kann man wieder nur schwer atmen… Ich höre ein Lied: „Under pressure” von Queen. Auch wenn der Text ansonsten kaum passt, gefällt mir der Refrain doch sehr. Und während ich Zeilen wie „Pressure pushing down on me „ auf mich wirken lasse, zähle ich die Stunden: 15. Das bedeutet noch einmal schlafen, noch zweimal Zähne putzen, noch einmal Duschen, noch einmal Sex haben (Schlechter Scherz!
Wer denkt denn an so was im Moment ?!), noch einmal abend essen und einmal frühstücken (wenn das überhaupt funktioniert morgen früh),…
Das Boot lässt sich nicht mehr aufhalten. Der Point of no return ist erreicht. Die Uhr tickt erbarmungslos weiter: Tick Tack Tick Tack Tick Tack ….
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Anämie – ich kann nimm mi!
By admin | November 6, 2008
Die ganze letzte Woche war mein inneres Gefühl, wie soll ich sagen, irgendwie beunruhigend ruhig. Vielleicht hat mein Freund recht und meine Angst hat sich jetzt aufgebraucht… Aber ich vermute eher, dass es sich nur um die trügerische Ruhe vor dem größten aller bisher da gewesenen Stürme handelt. Meine Stimmung ist ziemlich eigenartig. Es vergeht wohl keine Stunde in der ich nicht an die bevorstehende Prüfung denke. Ich kann mich kaum mit anderen Dingen beschäftigen. Ja es fällt mir auch momentan schwer anderen zuzuhören und dafür schäme ich mich. Im Geiste dreht sich alles nur um mich, meine Prüfung, meine Ziele, meinen Weg. Wie egozentrisch! So bin ich doch eigentlich nicht! Das soll endlich alles aufhören! Vanessa, heute in einer Woche wird es vorbei sein!
Und egal wie die Geschichte endet. Erstmal werde ich alle meine Unterlagen in die Ecke knallen und alles das tun, was ich mir für die Zeit „danach” vorgenommen habe. Aufräumen zum Beispiel! Ich fühle mich schon wie ein Messi! Ein Wunder eigentlich, dass ich meine Tastatur auf diesem Schreibtisch noch wiederfinde. Aber bekanntlich beherrscht nur ein Genie das Chaos
Der Fressnapf, indem ich meiner Katze Katzenmilch füttere hat schon Schimmel angesetzt… eklig, oder? Finde ich auch…., aber das einzige was ich dagegen unternommen habe, war einen sauberen Unterteller darüber zu setzten und darin eben den guten Stoff zu verfüttern. Vielleicht entdecke ich ja so auch - alla Alexander Fleming - ein neues Penicillin oder so… Wer weiß das schon ?! Wobei das natürlich verschreibungspflichtig wäre, da hätte ich ja dann ein Problem. Vielleicht sollte ich den Napf doch lieber sauber machen, sicher ist sicher …
Aber mir ist einfach alles, ja, egal im Moment! Alles, alles, alles - bis auf die Prüfung natürlich!
Meine Hauptbeschäftigung besteht derzeit darin, wie eine Geistesgestörte in meine Unterlagen zu starren. Mindestens einmal täglich erkläre ich mir wie man eine Infusion bzw. eine Injektion durchführt und maltretiere dabei ein ausgedientes Küchenhandtuch. Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich mir Differentialdiagnose-Listen zum Thema Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Atemnot, Blut im Stuhl etc. referiert habe. Selbst meine Mama reagiert schon leicht genervt auf die guten alten Infektionskrankheiten. Denn letztere hat sie mich beim spazierengehen schon zich mal abfragen müssen. Ebenso wie die Hygienevorschriften. Über die 1 bzw. 2-Eimer-Wischmethode haben wir dabei schon mehrfach herzlich gelacht. Sie konnte kaum glauben, dass man alle 5m² den Feudel wechseln soll. Und als wir über den Blutzuckertest sprachen, musste ich ihr zunächst einmal erklären, dass Fingerbeeren nicht auf Sträuchern wachsen, sondern dass sie selbst auch im Besitz 10 solcher Exemplare ist - und zwar an jedem Finger eine. Ihre persönlichen terminalen Tastballen quasi.
Um es auf jut Kölsch und in Anspielung auf die Blutarmut zu sagen „Anämie - ich kann nimm mi!”.
Während ich also an meinem Schreibtisch auch schon kurz davor bin Schimmel an zusetzten rauche ich sehr viel. Genauer gesagt: zu viel! Bevor mein Freund abends nach Hause kommt habe ich es mir zum Ritual gemacht großzügig über das stinkende Chaos in meinem Wohnzimmer eine große Wolke „Oust” zu sprühen. Ein Geruchsneutralisationsspray. Eine Substanz, welche sich schützend auf meine Möbel (soviel wie ich hier rumsitze fühle ich mich auch schon so, als würde ich zur Einrichtung gehören) und auch auf meine Wenigkeit verteilt. Und genau dafür erhielt ich gestern von meinem Schatz ein wunderbares Kompliment: *Schnüffel schnüffel* „Hm, Du riechst nach Mottenkugel!”. Ok, denke ich, der Hersteller hat auch nicht behauptet, dass man nach dem Gebrauch seines Produkts nicht nach Mottenkugeln duftet. Der Deal war ja lediglich, dass der Tabakgeruch verschwindet… Nun gut, aber auch das soll mir momentan alles mal egal sein…
Ein echt lethargischer Zustand ist das derzeit. Vielleicht ist das auch das Ergebnis meiner neuen Teemischung?! Seit einigen Tagen nehme ich 2 mal täglich einen Tee zu mir, der die Nerven beruhigen soll. Ein Tee, speziell gegen Prüfungsangst. Eine viel versprechende Mischung aus Melisse, Hopfen, Johanniskraut, Hagebutte und Pomeranzenschale. Wobei ich zugegeben schon einige Male vergessen habe, dass gute Zeug überhaupt in mich hinein zu schütten. Nun ja, und bereits am 2ten Tag der notwendigen 4 Wochen Tee Kur (wobei mir zu dem Zeitpunkt bereits nur noch 2 Wochen blieben…), habe ich den abendlichen Tee durch ein Gläschen Wein ersetzt, aber wiederum beruhigt der ja auch…
Seit geraumer Zeit überlege ich übrigens schon, was ich zur Prüfung anziehen werde. Meine Mama brachte mich darauf, dass man sich darüber ja Gedanken machen müsse. Ihr Vorschlag war: „Da ziehste ne schwarze Hose an. Das ist immer gut! Und ne weiße Bluse dazu! Ah und eine schwarze Weste!”. Ach Du ahnst es nicht, dachte ich! Das ist je wie früher, als sie mich bei Feierlichkeiten immer in diese Rüschenbluse mit Schulterpolstern gesteckt hat. Damals schon habe ich mich so nicht wohl gefühlt. Ich sprach das Thema schließlich auch mal in der Schule an. Dort riet mir zunächst jemand ein ökologisch anmutendens Outfit. Aber hey, ich bin nicht der Typ für einen grünen Naturfaserpullover und Birkenstock! Andere wiederum sagten: „Zieh was an, indem Du dich wohl fühlst”. Letzterem schließe ich mich eindeutig an! Ich habe ja nicht vor mich zu verkleiden. Was soll denn das ? Aber trotz allem, bin ich mir noch nicht sicher worin ich mich wohl fühle… „Wohl fühlen”, geht das an solch einem Tag überhaupt?
Ach, es ist ja alles so furchtbar…Wobei, so deprimierend wie das was ich gestern gesehen habe ist es dann vielleicht doch alles nicht. Nach dem Prüfungsvorbereiungskurs habe ich auf die Straßenbahn gewartet. Und während ich auf der Bank saß, den Kopf auf beide Hände gestützt, konnte ich auf dem gegenüberliegenden Bahnsteig einen in orange gekleideten Straßenarbeiter sehen, der dort die Blätter entfernte. Ich sah links unten den Mann, der eifrig mit dem Kehrblech unmengen von Blättern in eine Tüte verfrachtete (übrigens tat er dies sehr äußerst Bandscheiben unfreundlich). Und rechts oben sah ich einen riesigen Baum, der noch viel größere Mengen an gelben Blättern trug. Noch hielt er sie fest, aber würde der nächste Windstoß kommen… Es war ein Kampf gegen Windmühlen! Der arme Mann tat mir wirklich leid! Dann wohl doch lieber die Probleme, die ich jetzt habe!
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I want to break free
By admin | Oktober 29, 2008
„Ausnahmsweise” einmal (haha - an dieser Stelle könnt ihr ein sarkastisches Lachen meinerseits vernehmen, könnt ihr es hören?) befinde ich mich an meinem Schreibtisch, den Kopf wie immer tief in geschätzten - alle samt höchst wichtigen - 3587 Unterlagen vergraben. Meine Stimmung befindet sich mittlerweile auf dem absoluten Gefrierpunkt. Denn desto mehr ich lese, desto weniger scheine ich zu wissen. Das deprimiert mich natürlich überhaupt nicht, kein Stück…. AAAAHHHHHHHHHRRRRRRRRRRRRRRGGGGGGGGGGGHHHHHHHH !
In einer Zeitschrift lese ich zwischendurch mein Wochen-Horoskop: „Sie fühlen sich gestresst und stehen sich selbst im Wege. Ihre flirrige Energie macht andere nervös und gereizt.” Flirrig? Gibt es das Wort überhaupt? ICH BIN DIE RUHE IN PERSON, VERDAMMT NOCHMAL! Was schreiben die denn da für einen Quark! „Forschen sie nach den Ursachen bei sich, nicht bei anderen!”. Wow, welch weisen Satz hat sich denn da der Praktikant in der Redaktion wieder ausgedacht. Lieber Praktikant, die Ursache liegt nicht bei mir, sondern beim Gesundheitsamt! Ich sollte da mal einen Leserbrief hinschreiben…. So ein Blödsinn! Bin sauer und entsorge die Zeitschrift postwendend in den Papierkorb!
Während ich den Blick wieder auf meine „geliebten” Bücher richte, muss ich mir tief im inneren aber doch eingestehen, dass ich nur sauer bin, weil der Praktikant den Nagel so zielsicher auf den Kopf getroffen hat… Und tatsächlich stimmt es auch, dass ich mein Umfeld mit in die „flirrige” Spirale meiner Gefühlsachterbahnen ziehe. „Einsteigen, bitte alle einsteigen! Die Fahrt nach Anhedonien beginnt in wenigen Minuten!” (Anhedonie= die Unfähigkeit sich freuen zu können). Ich sitze jetzt schon länger im Zug nach Anhedonien und an jeder Haltestation zwinge ich noch mehr Menschen dazu einzusteigen. Ich bin gereizt, wütend und nachdenklich. Und zugegeben - dafür kann ich mich im Moment ganz und gar nicht leiden!
Freiwillig! Vanessa, Du machst das hier alles freiwillig! Das muss ich mir einfach immer wieder vor Augen halten!
Ich habe einmal gesagt, dass mein Lernmotto „Every day a little bit” sei, wobei mit dem „Bit”, wie gesagt, eigentlich nicht die Biersorte gemeint ist. Stellen wir uns vor, dass „Bit” wäre jetzt nun doch das kühle Blonde aus der Flasche. So war mein Lernmotto in der letzten Woche wohl eher „Every day a Bierkasten”. Ey, ich kann nicht mehr! So gesehen bin ich jetzt voll bis oben hin! Das abartige daran ist, desto mehr ich mir in den Kopf schütte, desto leerer fühlt er sich tatsächlich an. Das kann doch nicht normal sein! Da muss irgendwo ein Leck entstanden sein. Oder ein schwarzes Loch, so wie im Weltall, wo die Bierkästen spurlos drin verschwinden. Doch was noch sehr viel schlimmer ist, ist das ich der Meinung bin, da müsste noch eine ganze Menge mehr in meine Birne hinein: „Everyday a Bierfass” quasi! „Hey, dass geht nicht!” denke ich. „Verdammt, dass muss aber gehen!” denke ich auch. Ich treibe mich also gerade selbst in den Wahnsinn. Tja, aber wer sonst nichts zu tun hat….
Erschwerend kommt hinzu, dass ich mich seit ein paar Tagen leicht kränklich fühle. Ich male mir schon bildlich aus, wie mich bald eine starke Erkältung nieder reißen wird. So viele Vitamin-Präparate und prophylaktische Erkältungs-Bäder wie zur jetzigen Zeit, hat mein Körper vermutlich in meinem/unseren ganzen Leben noch nicht gesehen. Nach einem halben „Bierkasten” am gestrigen Tag, habe ich mich deswegen auch ein Ründchen aufs Ohr gelegt. Nach vielen Überlegungen, wie es wäre wenn ich die Prüfung bestehe und wie es wäre, wenn nicht, was ich gefragt werden könnte und was ich darauf antworten würde, bin ich irgendwann tatsächlich eingeschlafen - ein Wunder. Es fällt mir einfach unendlich schwer meine Gedanken abzustellen, am liebsten würde ich in so einer Situation „geblitz-dingst” werden. Ich glaube es war in dem Film „Man in Black” als Will Smith dieses super Gerät besaß, womit er die Menschen „blitz-dingsen” konnte. Daraufhin vergaßen sie alles zuvor Geschehene und ganz bestimmt auch ihre Gedanken.
Warum mache ich mir nur so einen Kopf? Wen interessiert es später in welchem Jahr ich genau die Prüfung abgelegt habe?! Da kräht doch kein Hahn nach! Nur ich allein krähe die ganze Zeit! Ich sollte meinem inneren Hahn echt mal den Hals umdrehen, aber dafür bin ich einfach zu tierlieb…
Tja, so sieht das momentan alles aus. Ich schwanke quasi minütlich von „ich schaff das auf gar keinen Fall!” zu „Vielleicht klappt es ja doch!”. Ich habe Angst! Aber mein Freund hat mir versprochen, dass die Angst bald aufgebraucht sein wird. Auf letzteres warte ich bisweilen aber noch vergeblich…
So, jetzt mag ich noch ein bisschen Fernsehen schauen! Wo ist den jetzt die Fernsehzeitschrift? Ach ja, da war ja was - die Sache mit dem Horoskop… *räusper* ! Kleinlaut fische ich das Ding wieder aus dem Papierkorb heraus…
Nachher werde ich dann wieder zum Prüfungsvorbereitungskurs fahren. Und diesmal weiß ich schon genau, welches Lied mir mein MP3-Player in der Bahn spielen darf: „I want to break free…”!
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Der Termin meiner mündlichen Heilpraktikerprüfung
By admin | Oktober 23, 2008
Heute genau liegt die schriftliche Heilpraktikerprüfung zwei Wochen zurück. Noch immer warte ich auf den Brief, der mir das alles entscheidende Datum für das große Finale verrät. Vom Gefühl her glaubte ich ihn gestern zu erhalten. Da hatte ich so eine Unruhe im Bauch, als hätte ich gleich eine Prüfung vor einem ganzen Haufen von Amtsärzten ablegen müssen. Dennoch sollte mich der Postbote am gestrigen Tag enttäuschen…
Heute wiederum beunruhigt es mich so ruhig zu sein. Was ist nur los? Doch schnell soll das vertraute Gefühlschaos zurückkehren, als ich einen Anruf von einer Schulkameradin erhalte. Sie hatte ihren Termin heute im Briefkasten! Und offensichtlich nicht nur sie alleine. Sie weiß auch von anderen zu berichten, die am heutigen Tag den lange ersehnten Brief erhalten haben.
Mein Herz rast wiedereinmal und ich höre mich so etwas sagen wie „Krass….neee….Oh Gott…Gute Güte… Waaaaa….”. So ungefähr setzt sich das Gespräch beiderseits fort. Nachdem ich schließlich aufgelegt habe, zünde ich mir erstmal eine Zigarette an. Der Entschluss über mein weiteres Vorgehen ist schnell gefasst: Vanessa, du gehst jetzt zum Briefkasten!
Ich laufe aus der Haustüre hinaus und mit meinen Hausschlappen die Einfahrt hoch. Taptaptaptaptap. Je näher ich an den Briefkasten komme, desto langsamer werden meine Schritte. Tap…tap…tap…….tap…………tap. Dann stehe ich davor, verharre einen kurzen Moment und drücke dann ruckartig mit meinem linken Zeigefinger die Klappe hoch. Und dann sehe ich - nichts!
Verdammt! Ich werfe einen Blick auf meine Armbanduhr: 10:40 Uhr. Nun zugegeben, so früh ist in unserer Straße auch noch nie ein Postbote gewesen. In Köln scheinen die da früher dran zu sein. Enttäuscht laufe ich die Einfahrt wieder herunter - Taptaptaptaptaptaptap - und zurück ins Haus. Wieder am Schreibtisch kann ich mich kaum konzentrieren. Ich will jetzt auch endlich wissen, wann mein großer Tag sein wird. Verdammt! Zwischendurch lunze ich immer mal wieder aus dem Fenster, vielleicht kommt der Postbote ja heute früher? Eine halbe Stunde nach meinem ersten Gang zum Briefkasten wiederhole ich das Prozedere sicherheitshalber. Kann ja sein, dass der Postbote doch da war, als ich gerade einmal nicht aus dem Fenster geschaut habe. Taptaptaptap…. tap..tap……tap …………..tap hin, verharren, Klappe auf - nichts - taptaptaptaptaptaptap wieder zurück. Ich krieg die Krise!
Gegen 11:45 Uhr verlasse ich zusammen mit meiner Mama das Haus, da sie mich zum Bahnhof fahren soll. Denn heute habe ich ja auch noch Prüfungsvorbereitungskurs. Schnell laufe ich noch einmal zum Briefkasten, diesmal mit Straßenschuhen. Klackklackklackklack….klack….klack……..klack……………..klack, verharren, Klappe auf - ein Brief! WAAAAAAAAAAAAAA! Mit spitzen Fingern angle ich den Brief der Stadt Köln aus dem Kasten heraus: „Mama! Er ist da!”. Während Mama auf mich zukommt bleibe ich wie versteinert stehen und starre den Brief an. Ich blicke erst sie an, dann wieder den Brief und reiße letzteren schließlich plötzlich und hektisch auf. Nach kurzer Zeit halte ich das Schreiben in der Hand, bislang kann ich nur den Briefkopf sehen. Ich atme tief durch und nach einem weiteren kurzen Innehalten entfalte ich das Blatt ruckartig. Meine Augen überfliegen das Schreiben und bleiben schnell an einer Stelle kleben:
Mittwoch, den 12.11.2008, 11:00 Uhr
Gute Güte! Mein Termin! Die zweite und letzte Schallgrenze! Meine Mama schaut mir über die Schulter und ich glaube sie ist mindestens so aufgeregt wie ich! Ein Gefühl macht sich in mir breit, dass sich am besten mit den Worten sterben-kotzen-freuen beschreiben lässt. Ein abartiges Gefühl, widerlich! Wir steigen ins Auto und mit vielen „Waaaaaaa”s und „Gute Güte”s verkünde ich die Botschaft per Handy an meinen Papa, meinen Schatz und Freunden. Es ist mir unmöglich still zu sitzen, ich glaube gleich durchzudrehen.
Kurze Zeit später sitze ich alleine in der Bahn und suche in meinem MP3 Player mal wieder ein Lied zur Beruhigung. Aber irgendwie scheint mir alles ungeeignet. In Köln angekommen kaufe ich mir beim Dm eine Biovital Kur für meine Nerven mit schönem Vitamin B-Komplex. „In Lebensphasen mit Stress und Überlastung….bei starker nervlicher Belastung, in Stresssituationen oder ständiger Hast und Hektik…blablabla…. trägt zur geistigen Leistungsfähigkeit bei…. unterstützt Konzentration und Gedächtnis….blablablubb”. Klingt doch super, ich denke diese Art von Doping wird wohl erlaubt sein. Im Anschluss möchte ich mir noch einen neuen Pullover zur Beruhigung erwerben, doch finde ich nichts was mir gefällt. Gegen 14:00 Uhr sitze ich dann wiedereinmal im Prüfungsvorbereitungskurs für die mündliche Prüfung. Hektisch und aufgeregt werden zunächst gegenseitig die Termine ausgetauscht. „Wann hast du?”, „Oh mein Gott das ist ja noch früher als ich…”, oder „Ach da hast du ja noch Zeit, ich hab schon am…”, usw. Meine Aufregung steigert sich ins Unermessliche. Als wir mit dem Unterricht beginnen fühle ich mich bereits, als ginge gleich die echte Prüfung los. Darum fallen mir auch im weiteren Verlauf viele Dinge nicht ein, die ich sonst eigentlich weiß. Insbesondere Laborwerte. Mein Anamnese-Schema ist plötzlich auch nur noch lückenhaft präsent. Ich fühle mich furchtbar! Doch offenbar geht es nicht nur mir alleine so. Ich werfe einen Blick in die Runde und sehe nur bedröppelte Gesichter. Freiwillig, denke ich, Vanessa du machst das alles freiwillig…
Später auf dem Rückweg in der Bahn muss ich an die Videospiele denken, mit denen ich mir früher gerne die Zeit vertrieben habe. Damals, als Hausaufgaben doof waren und man lieber alles andere gemacht hat, als irgendein Buch auch nur an zu fassen. Besonders spannend war die Situation in so einem Spiel, wenn man nur noch ein „Leben” hatte und am Ende eines Levels gegen einen Endgegner kämpfen musste. Der Kampf entschied, ob man ins nächste Level kam oder alles nochmal von vorne machen musste. Und so ist es jetzt also im echten Leben. Und ich habe Angst vor einem „Game over”!
Ich lehne meinen Kopf an die Fensterscheibe und beobachte die vorbei rasenden Bäume. Bob Marley tut in meinem Ohr sein Übriges: „Don`t worry! Everthing is gonna be alright…”. Dieses ist immer noch das passendste Lied was ich finden kann.
Es ist 17:40 Uhr. Auf den Tag genau in 3 Wochen werde ich also wissen, ob ich Heilpraktikerin bin oder nicht… Der Countdown läuft!
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Nach der Prüfung ist vor der Prüfung
By admin | Oktober 15, 2008
Eine Woche liegt das großen Ereignis der schriftlichen Heilpraktikerprüfung nun zurück. Danach habe ich bis einschließlich Sonntag kein Buch mehr angefasst und mein Gehirn ausschließlich mit meinen Grundbedürfnissen behelligt: essen, trinken, schlafen (und rauchen…). Mein Kopf brauchte wahrlich mal einen kleinen Urlaub! Und während dieser abgeschaltet war, habe ich endlich meine Wohnung aufgeräumt und meine Fische, bzw. mein Aquarium, sauber gemacht. Während ich nämlich die letzten Wochen auf meinem Schreibtischsessel fest geklebt war, müllte meine Umgebung immer mehr zu. Meinen Schreibtisch habe ich auch ausgemistet, so dass jetzt langsam die Fortsetzung meines persönlichen Films folgen kann, über dessen Titel ich mir gerade nicht ganz im Klaren bin. Ich hoffe nur auf ein Happy End und darauf, dass der Film sich nicht als Drama entpuppt. Ich sehe es schon kommen: „Wenn Hoffnungen und Träume platzen - ein Film der Vanessa F - nach einer wahren Begebenheit”. Nein, nein, nein, was rede ich denn da wieder! Ich kann stolz auf mich sein! Ich bin jetzt quasi im „Recall”. Ach was sage ich, Detlef Dee Soost (von Popstars) hat quasi gerade zu mir gesagt: „Herzlichen Glückwunsch, wir wollen dich Finale sehen!”. Ist ja wieder typisch, dass ich alles durch eine pechschwarze Brille sehen muss…
Aber am Wochenende habe ich aber von der mündlichen Prüfung geträumt. Und - es war fürchterlich! Es war in einem riesengroßen Saal mit vielen runden Tischen, so wie in einem großen überfüllten Restaurant. Vom Flair her hatte das Ganze auch irgendwie etwas von einem Spielcasino… Mit anderen Prüflingen saß ich an einem der runden Tische. Es war laut, die Geräuschkulisse glich der einer Großkantine. Ich war total aufgeregt. Schließlich kam die Amtsärztin und setzte sich zu uns. Sie stellte Fragen in die Runde, die ich aufgrund des Geräuschpegels kaum verstehen konnte. Die anderen wiederum schienen bessere Ohren zu haben, verstanden sie und antworteten mit schlauen Sätzen. Wenn ich einmal antworten wollten, kamen mir andere zuvor. Einmal ging es dann um die verschiedenen Hautschichten, die genannt werden sollten. Keiner sagte etwas - meine Chance! Doch… was war das? Auch mir fielen sie nicht ein! Panik! Meine Lippen formten nur leere Worte in die Luft und dann war schon wieder jemand schneller als ich. Die Antwort war nicht einmal richtig, doch wurde er dafür gelobt ohne Ende. Irgendwann war dann eine Stunde vorbei und ich war überhaupt nicht dran gekommen. Die Prüferin stand auf und blickte mich schließlich an, bevor sie sich zum gehen wandte: „Machen sie erstmal die schriftliche Prüfung!”. „Aber, aber…. das habe ich doch schon!” entgegnete ich entgeistert. Sie hatte sich schon herumgedreht, doch verstand ich noch die Schreckensbotschaft : „Sie sind bei uns aber nicht vermerkt!”. Und schon verschwand sie in der Menschenmenge… Wie gelähmt saß ich auf meinem Platz, das Herz rutschte mir in die Hose. Ich starrte ihr hinterher und nahm das schadenfrohe Grinsen der anderen aus dem Augenwinkel war… Gute Güte, das war echt schlimm!
Nun denn, seit Montag lerne ich so langsam wieder. Meine ca. 10 Ordner an Mitschriften und Stoff habe ich auf einen einzigen komprimiert, den ich nun „die Bibel” (das Buch der Bücher) getauft habe. Diese bisher 3kg schwere Sammlung von Schriften muss jetzt „nur noch” in mein Köpfchen hinein (Wenn ich in nächster Zeit zunehme, liegt das also gar nicht an der ganzen Schokolade ;-)) . Mich beunruhigt derzeit allerdings, dass ich keine Ahnung habe wie viel Zeit mir für dieses Unterfangen bleibt, da ich das alles entscheidenden Datum ja noch gar nicht kenne …
Auf jeden Fall werde ich Thema für Thema noch einmal durchgehen. Gestern habe ich mit den Infektionskrankheiten begonnen. Meine Bibel verfügt nun über ein Kapitel, in dem die „verbotenen Krankheiten” hübsch kurz und mit Bildern versehen aufgelistet sind. Während ich im Internet entsprechende Abbildungen zu meinen Krankheiten suchte, kaute ich genüsslich auf meiner Schokolade herum. Den Ellbogen auf den Tisch gestützt, ruhte mein Kinn schmatzend in meiner linken Handfläche, während ich im WWW nach einem schönen Foto vom „harten Schanker” suchte. Ich klickte mich durch die Geschwüre am Bildschirm und freute mich eines zu finden, indem der geschwürige Zerfall besonders gut zu sehen war. *Mampf* - so stumpft man also ab… Weiter ging es mit Lepra, Pest und Co, aber Hauptsache die Schokolade war lecker!
Nach 6 Stunden etwa war ich fertig. Das war auch definitiv gut so, da ich mittlerweile schon mein Handy mit der Maus des Computers verwechselte und mich wunderte, dass sich der Cursor auf dem Bildschirm nicht mehr bewegte.
Letztendlich tippte ich auch ständig „Errger” statt „Erreger” und ärgerte mich tatsächlich, dass es so viele Erreger und Krankheiten geben muss, die ich kennen soll.
Und was mache ich jetzt? Nun ich werde mein Anamnese-Schema nochmal überarbeiten und mir Differentialdiagnose-Listen erstellen. Alle Themen nochmal wiederholen und außerdem habe ich Bücher für „die mündliche Überprüfung”, denen ich meine Aufmerksamkeit schenken werde. Mal sehen, momentan bin noch etwas planlos… Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie froh ich sein werde, wenn das alles einmal vorbei ist ![]()
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Die schriftliche Heilpraktikerprüfung am 08.10.2008!
By admin | Oktober 9, 2008
Gestern war es nun also so weit! Der 8te Oktober! Der Tag auf den ich die letzten 3 Jahre hin gearbeitet hatte! Bis dato gab es kein Leben nach dem 8ten Oktober! In meinem Denken, meiner Planung, einfach in allem. Heute ist nun der 9te Oktober. Die magische Schallgrenze ist geknackt!
Vorab kann ich schon mal sagen, dass ich die schriftliche Prüfung bestanden habe! Laut Kreawi habe ich 7 Fehler gemacht (15 darf man haben) und ich gehe mal nicht davon aus, dass das offizielle Ergebnis großartig davon abweichen wird. Es waren zwei blöde Fehler dabei und vier bei denen ich es einfach nicht besser wusste. Aber was soll`s, ich habe es geschafft! Ich bin stolz, aber noch immer total ausgelaugt. Ich fühle mich wie Harry Potter nach einem magischen Kampf mit Lord Waldemar. Erschöpft von dem Gebrauch meiner „Zauberkräfte”, aber glücklich den Sieg errungen zu haben
In der Nacht vom 7ten auf den 8ten Oktober hatte ich unheimlich schlecht geschlafen. Als der morgen endlich kam (zur Sicherheit hatte ich mir 3 Wecker gestellt!), stand ich eine Stunde früher als gewöhnlich auf, um möglichen Komplikationen zu trotzen. Immerhin hätte der Bahn ja einfallen können zu streiken oder ein Selbstmörder hätte ich sich auf die Schienen schmeißen können… man weiß es ja nicht. Nach dem aufstehen war ich ungewöhnlich ruhig. Wow, dachte ich noch, du bis ja die coolste „Sau” unter der Sonne, macht dir ja alles nix aus… Ich überlegte mir schon, wie es sein würde, wenn ich in der Bahn eine/n Bekannten/e treffen würde. Würde er/sie mich dann fragen, wo ich gerade hinfahre, so war ich der Meinung mit folgenden Worten Antwort zu geben: „Ach, ich hab gleich nur die schriftliche Heilpraktiker-Überprüfung! Ansonsten hab ich heute nichts weiter vor…”. Er/sie würde dann bestimmt sagen: „Ja, bist du denn gar nicht aufgeregt?”. Und ich würde erwidern: „Nein, kein bisschen!”. Aber, von wegen! Schnell sollte ich auf den Boden der Tatsachen zurückkommen und froh darüber sein, dass ich während der Fahrt kein bekanntes Gesicht erblicken würde…
Als mein Freund mich schließlich zur Bahn fuhr begannen nämlich erneut diese Gefühls-Taifune durch meinen Körper zu ziehen. Ich war ganz durcheinander und konnte kaum still sitzen. Als ich schließlich aus dem Auto stieg, wünschte er mir viel Glück. Seine letzten Worte zu mir waren dann: „Du schaffst das schon!”. Daraufhin schloss ich die Beifahrertür und er fuhr davon. Ich rannte zur Bahn, die bereits auf mich zu warten schien, die Türen schlossen sich und die Reise begann. Ich ergatterte einen Platz und kämpfte nun mit den größten Taifunen, die mich bisher heimgesucht hatten. Meine Eingeweide krampften sich in regelmäßigen Abständen zusammen, als würden sie gerade vakuumverpackt werden. Meine Gedanken rasten ungestüm: „Da musst du jetzt durch! Da musst du jetzt durch! Heute ist der 8te Oktober! Egal wie das jetzt ausgeht, du wirst es überleben! Vanessa, reiß dich verdammt nochmal zusammen!”. Mir war schwindelig und übel und ich hatte Angst eine Synkope zu erleiden. Eine Freundin hatte mir einen kleinen Schutzengel geschenkt, der in meiner rechten Hosentasche über mich wachte. Ich umklammerte ihn so fest, dass ich ihn sicher fast erwürgt hätte… Ich wibbelte mit den Beinen herum und suchte kopflos ein Lied in meinem MP3-Player, dass mich ablenken und beruhigen könnte. Meine Wahl traf schließlich Bob Marley, der mir solange „Don`t worry! Everthing is gonna be alright…” ins Ohr hauchte, bis ich am Ziel angekommen war. Ein Gebäude der Kölner Uni. Da ich eine Woche zuvor bereits den Weg ausgetestet hatte, fand ich es ohne Probleme. Und obwohl ich eine Stunde zu früh dort war, traf ich bereits schon auf einige Kollegen. Meine erste Amtshandlung war es aber die Sanitäranlagen aufzusuchen. Danach unterhielt mich mich mit den anderen, was mir ein wenig (die Betonung liegt auf „ein wenig”) über die Aufregung hinweg half. Nach drei Zigaretten und einem weiteren Toilettenbesuch betrat ich dann den großen Hörsaal, in dem das große Ereignis also stattfinden sollte. Noch immer wirbelten große Stürme in mir umher und ich war mir sicher alles Gelernte vergessen zu haben. Nachdem ich meinen Personalausweis vorgezeigt hatte, wurde mir ein Platz zugewiesen. Da saß ich nun also. Ein riesiger Hörsaal mit etwa 150 - 200 Menschen, allesamt in der gleichen Situation wie ich. Ob sie wohl auch so aufgeregt waren? Gemeinsam warteten wir nun darauf, dass die Prüfung ausgeteilt wurde. Nur jede zweite Sitzreihe war besetzt, so dass sich jeweils vor und auch hinter einem kein Mensch befand. Hier gingen später die „Aufpasser” in regelmäßigen Abständen entlang. Auch 2 Plätze zu meiner Linken und meiner Rechten saß niemand. So war es überall, damit keiner abschreiben konnte. Letzteres hätte ich mich allerdings sowieso niemals gewagt. Auf dem dritten Platz zu meiner Rechten hatte eine ältere Dame Platz genommen, die irgendwelche Melodien vor sich her summte. Angestrengt überlegte ich bereits, wie ich ihr beibringe konnte, dass mich ihr musizieren stört… Doch sie sollte prompt verstummen, als es schließlich soweit war. Endlich hatte die Uhr 9 geschlagen und das angespannte warten hatte ein Ende. Die Fragenkataloge wurden verdeckt ausgeteilt und nachdem jeder einen bekommen hatte, durften wir sie umdrehen. Per Mikrophon erklärte uns eine nette Dame den Ablauf der Prüfung. Die Taschen sollten auf den Boden gestellt werde, Getränke waren erlaubt, essen jedoch nicht. Die ersten 45 Minuten sollten Toilettengänge unterlassen werden. Müsste man dann unbedingt das Klo aufsuchen, so würde man eine Begleitung zur Seite gestellt bekommen. Ich weiß nicht mehr, was sie noch alles von sich gab, aber ihre letzten Worte waren „Sie haben bis 10 nach 11 Zeit! Viel Glück” - und das war der Startschuss.
Sofort blätterte ich den Fragebogen grob durch, um mir zunächst einen Überblick zu verschaffen. Ich glaube nicht, dass das ein schlauer Schachzug von mir war, denn meine ersten Gedanken sollten sein: „Schei*e, weiß ich nicht, weiß ich nicht, weiß ich auch nicht…Schei*e, muss ich raten, weiß ich nicht..”. Ein neuer Sturm erfasste meine Eingeweide. Nachdem ich ein paar mal tief durch geatmet hatte, begann ich mich dann aber langsam von vorne nach hinten durch zu arbeiten. Einige Dinge waren dann doch glasklar und bei anderen half mir das Ausschlussverfahren. Ein paar Fragen wiederum wusste ich schlichtweg gar nicht und habe raten müssen. Das Denken fiel mir enorm schwer. Besonders bei den Fragen zum Herz-Kreislaufsystem musste ich lange überlegen. Plötzlich war ich mir nicht mehr sicher wo welche Herzklappe saß und welches Geräusch dann wohl beim entsprechenden Klappenfehler zu hören sein musste. Unglaublich! Solche Dinge konnte ich zuvor noch ohne überhaupt wirklich nachzudenken. Was Stress nur aus einem macht… Doch ich riss mich zusammen und mein Gehirn sollte mich auch nicht im Stich lassen. Als ich dabei war meine Antworten zu kontrollieren gaben schon die ersten ihre Arbeiten ab und gingen. Ich blickte auf die Uhr, die mir verriet, das mir noch ausreichend Zeit zur Verfügung stand. Also machte ich weiter. Bei ein paar Fragen wollte ich meine Antwort ändern, entschied mich aber dann doch sie so zu belassen, da ich Angst hatte sie nur zu „verschlimmbessern”. Sicher war es besser dem ersten Impuls, quasi meiner weiblichen Intuition zu vertrauen. Also übertrug ich nun meine Kreuzchen auf den Lösungsbogen. Mittlerweile wurde es schon ganz unruhig im Saal. Die nicht mehr summende Frau zu meiner Rechten war offensichtlich auch schon fertig. Sie erhob sich und blickte mich erwartungsvoll an. Ich begriff, dass ich aufstehen musste, damit sie an mir vorbei konnte um die Sitzreihe zu verlassen. Meine weichen Knie drückten mich in die Höhe, während ich umständlich das Schreibbrett vor mir zusammenklappte. Als sich die Dame an mir vorbei quetschte konnte ich aus den Augenwinkeln wahrnehmen, dass uns zwei „Aufpasser” intensiv beäugten. Ich nahm wieder Platz und kontrollierte schlussendlich, ob ich alle meine Kreuzchen richtig übertragen hatte. Ich hatte! Also konnte ich nun auch gehen. Als ich meine Prüfung abgab, fragte ich die Aufpasser-Dame, ob ich auch wirklich alles richtig ausgefüllt hatte. Es wäre ja furchtbar, hätte ich meine Unterschrift vergessen oder etwas anderes wichtiges. Sie nickte stumm und ich ging vorbei an den noch immer zahlreich rauchenden Köpfen hinaus. Vor der Tür blieb ich kurz stehen und atmete nochmal tief durch. Vanessa, jetzt ist es vorbei!
Ich verließ dass Gebäude und traf dort auf eine Menschentraube, derer die schon vor mir abgegeben hatten. Sie diskutierten bereits hitzig über ihre Antworten. Die Tatsache, dass man den Fragenkatalog mitnehmen durfte und nur den Lösungsbogen abgeben musste, erleichterte die Diskussionsrunde. Gegenseitig wedelten sie aufgeregt mit ihren Bögen voreinander herum. So etwas hatte ich schon befürchtet… Meinen Fragebogen hatte ich in meiner Handtasche verstaut, wo er nun selig neben meinem nicht angerührten Butterbrot schlummerte. Ich stellte mich ein wenig Abseits und zündete mir eine Zigarette an. Das große Gebäude spuckte immer mehr aufgeregt brabbelnde Menschen hervor. Ich rührte mich erstmal nicht. Warum lachte ich nicht? Warum freute ich mich nicht? Es war doch vorbei!
Nach einer weiteren Zigarette näherte ich mich vorsichtig meinen diskutierenden Kollegen. Aus dem Gespräch konnte ich ableiten, dass ich eine Frage schon mal falsch beantwortet hatte. Umgehend taumelte ich wieder einen Schritt zurück. Da werde ich auch schon angesprochen: „Kommst Du noch mit Kaffee trinken? Wir wollen die Ergebnisse vergleichen!”. „Ich weiß noch nicht…” antwortete ich. Davor hatte ich echt Angst. Was wenn mir noch 14 weitere Fehler untergekommen waren? Dann würde mein Traum jetzt schon platzen… War es nicht besser, ich würde es heute Abend im Internet erfahren? Wenn ich zu Hause war und mich niemand sehen könnte, wenn ich womöglich Anlass zum weinen hätte? Die Gefühlstaifune waren einer Art Taubheitsgefühl gewichen, welches mich nun erfüllte. Ich hatte Angst und konnte überhaupt nicht einschätzen, wie ich wohl abgeschnitten hatte. „Na komm schon mit, willst du wirklich bis heute Abend warten?”. Keine Ahnung, was ich wollte. Aber schließlich schloss ich mich der Menschentraube an, die sich nun in Richtung Cafè bewegte.
Kurze Zeit später fand ich mich Latte Macchiato schlürfend an einem Stehtisch wieder. Die Menschen um mich herum ebenso eher geknickt als fröhlich. Viel beteiligte ich mich an dem Gespräch nicht. Doch schnell bemerkte ich einen weiteren Fehler den ich in der Prüfung gemacht hatte. Er betraf die Colitis ulzerosa (Entzündung des Dickdarms), die ich eigentlich beten konnte… Doch ihr hatte ich kein Kreuzchen geschenkt, was aber leider von Nöten gewesen wäre. Schnell bekamen wir mit, dass im Nebenraum eine Dozentin die Prüfung mit einigen Leuten durchsprach. Würden wir uns dort anschließen, so wüssten wir ziemlich sicher wie es um uns bestellt ist. Ich zögerte sehr lange, ließ mich dann aber doch von einer Kollegin mitreißen. Im Nebenraum hatte sich eine große Sitzrunde gebildet. Ich setzte mich still dazu. Wir hatten solange gewartet, dass die Dozentin die Prüfung mit den anderen bereits durchgesprochen hatte. Dennoch waren noch viele da. „Bist Du A oder B?”, mit diesen Worten wurde ich aus meinen Gedanken gerissen. „A” sage ich. „Dann musst Du dahinten hin, hier ist Gruppe B”. „Oh, danke!” erwiderte ich, schaute mich um und sah ein paar Meter weiter ein kleineres Menschengrüppchen sitzen. Ich gesellte mich dazu und sagte schüchtern: „Hi, ich bin auch Gruppe A”. Sie waren die Ergebnisse bereits durchgegangen. Einer kam auf mich zu um mit mir die Prüfung durchzugehen. Er begann mir vorzulesen und ich kontrollierte parallel meine Ergebnisse. :”1E, 2B, 3D, 4B, 5CD, 6C,…” las er und ich hakte ab, was ich offensichtlich richtig hatte. Ein neuer Eingeweide Sturm erfasste mich, mein Herz raste. Es war als würde man mit seinem Lottoschein vorm Fernseher sitzen, seine Zahlen mit denen der Lottofee vergleichen und merken dass die ersten Ziffern übereinstimmen. Bis 24B ging alles glatt. Ab hier reihten sich ein paar Fehler ein, die ich aufgeregt im Geiste mit zählte. 7 Fehler hatte ich mitgezählt als noch 20 Fragen offen waren. Dann wurde der nette Kollege von Jemandem abgelenkt und stoppte seine Auflistung. Die Spannung war schier unerträglich. Ich hielt kurz inne, konnte es aber nicht mehr abwarten. So legte ich meine Hand auf seinen Arm: „Bitte erlöse mich!”. Sein Blick wandte sich mir wieder zu und er sprach weiter. Als wie alle 60 Fragen durch waren, hatte ich 8 Fehler mitgezählt. Erleichterung machte sich in mir breit und ich brachte ein Lächeln zustande. 52 Richtige im Prüfungslotto! Gott sei Dank und Gute Güte!
Nach weiteren Unterhaltungen machte ich mich schließlich auf den Heimweg. Irgendwie beschwingt, aber auch ziemlich ausgelaugt. Ich bekam tierische Kopfschmerzen und legte mich erstmal eine Runde aufs Ohr. Am Abend verglich ich meine Ergebnisse dann nochmal, mit denen die nun von Kreawi (www.kreawi.de) ins Internet gestellt worden waren. Demnach hätte ich sogar nur 7 Fehler gemacht.
Glücklich zwitscherte ich mir später beim Essen gehen noch eine halbe Flasche Weißwein und einen Ramazotti hinter die Binse. Es war der 8te Oktober! Die Schallgrenze würde sich nun verschieben!
Heute habe ich endlich meine in letzter Zeit leicht verkommene Bude aufgeräumt. Die Prüfungsfragenbücher für die schriftliche Prüfung verschwinden erstmal im Regal. Lernen werde ich die nächsten Tage erst einmal nicht. Nachdem die Taifune nun vorbei gezogen sind, muss ich erstmal die übrig gebliebenen Trümmer wieder aufbauen. Nach wie vor habe ich schlimme Kopfschmerzen, was ich auf meinen arg verspannten Nacken zurückführe. Ab nächster Woche werde ich dann wieder durchstarten. Lernen für die mündliche Prüfung. In ca. 2 Wochen werde ich Post bekommen, in der mir dann der mündliche Überprüfungstermin mitgeteilt werden wird. Da ich mit dem Anfangsbuchstaben meines Nachnamens („F”), recht weit vorne im Alphabet stehe, rechne ich mit einem Termin im November. Nun, wir werden sehen!
Heute ist der 9te Oktober 2008 und das Leben geht tatsächlich weiter ![]()
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Heilpraktikerprüfung - noch 13 Stunden!
By admin | Oktober 7, 2008
Die emotionalen Wogen schwappen immer wilder hin und her. In stetig kürzeren Abständen durchströmt ein Taifun meinen Körper, der mein Herz schneller schlagen und mich kurzatmig werden lässt. Morgen ist es soweit! Die Prüfung! Morgen! Noch einmal schlafen… Wenn ich nur daran denke..uii… da war wieder der Taifun…
Zum gestrigen Zeitpunkt hatte ich bereits sämtliche Prüfungsfragen durchgeackert, welche ich mir zum ankreuzen vorgenommen hatte. Ich hatte stets jene Fragen markiert, welche ich gar nicht bzw. nur falsch zu beantworten wusste. Mein Plan für die letzten zwei Tage vor der Prüfung war es, eben diese Fragen auf ein neues durch zu arbeiten. So begann ich gestern morgen frohen Mutes mein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Schon nach dem ersten Thema wusste ich bereits, dass ich gar nichts mehr wusste! Fast alle Fragen beantwortete ich erneut falsch! Die dadurch ausgelösten Windböen meines persönlichen Taifuns ließen mich mächtig ins wanken geraten. Ich stand auf und fand mich plötzlich vor meinem Badezimmerspiegel wieder. Dort blickte mir ein verzweifeltes Augenpaar entgegen und - ein zwar unscheinbarer aber absolut existenter Mitesser in der regio infraorbiatlis meines Gesichts. Meine mimische Muskulatur verzog mein Antlitz zu eine Fratze. Aus einem plötzlichen Impuls heraus stürzten sich die Zeigefinger meiner beiden Hände auf den Feind. Gute Güte, war der hartnäckig! Doch ich ließ nicht locker! Im vollen Bewusstsein darüber, dass ich mich gerade der Gefahr einer Meningitis oder gar einer Sinusvenenthrombose aussetzte, hörte ich einfach nicht auf. Meine Fingernägel verletzen empfindlich die um den Komedonen gelegene Hautpartie. Dennoch stoppte ich den Wahnsinn erst, als der Feind gefallen war. Erst jetzt kehrte wieder Ruhe ein! Versteinert stand ich da und blickte nun in zwei deutlich entsetzte Augen. Was, was hatte ich nur getan? Auf meiner zuvor, zumindest makroskopisch, makellosen Wange befand sich nun eine sekundäre Effloreszenz von dem Ausmaß eines 1Cent Stücks! Feuerrot strahlte sie mir entgegen. Ich musste wieder handeln! Ein in Anti-Pickel-Gesichtswasser Getränktes Stück Klopapier landete nur Sekunden später unsanft auf besagter Stelle: „Autsch… Bor…Sch*e!!!”. Kurze Zeit darauf befand ich mich erneut an meinem Schreibtisch, noch immer brannte meine Wange. Verdammt, diese Form der Autoaggression kannte ich ja gar nicht von mir…alles nur wegen diesem blöden Taifun!
Alle Prüfungsfragen, welche es für mich zu wiederholen galt, hatte ich zuvor mit einer Ecke des selbstklebendem Teils gelber Post-its markiert. Ich verfolgte nun den genialen Plan, alle Fragen, welche ich noch immer falsch beantwortete, mit einer roten Post-it-Ecke zu kennzeichnen. Nachdem ich mehrfach Parkinson mit der Multiplen Sklerose verwechselte, mir die Namen der Hirnhäute nicht einmal mehr einfallen wollten und ich mehrfach das Wort „nicht” in den Fragestellungen überlesen hatte, nun - da musste ich sehr viele Fragen kennzeichnen! Und - mir gingen die roten Post-its aus!
Aggressiv verließ ich meinen Schreibtisch auf ein neues. Ich musste mich abreagieren und - packte den Staubsauger aus! Besser meine Wut würde sich nicht erneut an meinem eigenen Körper manifestieren, man hatte ja gesehen wohin das führt! Inbrünstig röhre der Staubsauger vor sich hin, während ich ihn mit festem Druck die Fasern meines Teppichbodens kennen lernen lies. Doch, was war das? Das dort oben an der Decke über meinem Schreibtisch? Das waren doch nicht etwa - Spinnweben! Sollte es möglich sein, dass ich hier schon eingesponnen wurde? Demnächst würde ich womöglich auch noch Staub ansetzen! Das war ja wohl nicht möglich! Brutal entriss ich der modernen Gerätschaft ihren Fuß und legte somit ihr blankes Metall-Teleskoprohr frei! Wutentbrannt ließ ich die röhrende Bestie die Spinnweben verzehren. Aha, da war ja noch jemand! Der Übeltäter höchst persönlich: ein Weberknecht! Vergebens hatte er zu fliehen versucht, mein Rohr saugte schließlich auch ihn ein! Ihn und vermutlich auch seine Frau, welche ich kurze Zeit später hinter dem Vorhang, in ihrem nur vermeintlich guten Versteck aufgespürt hatte! Nachdem auch der Rest der Wohnung gesaugt und der Staubvernichter wieder gut verstaut war, saß ich erneut an meinem Schreibtisch. Ohne den Kopf zu bewegen schielte ich hoch zu der Ecke, an dem das arme Spinnentier vor kurzem noch nichts Ahnens gesessen hatte. Mörder - dachte ich! Wahrscheinlich hatten die zwei mir schon Monate beim Lernen zugeschaut und mir - vielleicht nicht ganz uneigennützig - Fliegen vom Hals gehalten. Vielleicht hatten sie ja auch Kinder? Und was wird jetzt aus denen? Ich hätte sie ja auch nur vor die Tür setzen können, so wie ich das sonst eigentlich zu tun pflege… Stattdessen brachte ich sie kaltblütig ums Leben… Was war nur aus mir geworden…
Ich schüttelte den Kopf, zündete mir eine Zigarette an und widme mich dem nächsten Thema. Gut dachte ich, meine roten Post-its sind zwar leer, aber man ist ja kreativ! Ich griff in die oberste Schublade meines Schreibtisch-Schränkchens und kramte einen roten Filzstift hervor. Hiermit würde ich von nun an ein rotes Kreuzchen auf die gelben Post-it-Eckchen malen, sobald ich eine Frage erneut falsch beantwortete!
Einige Zeit, einige Zigaretten und einige Taifune später sollte ich meinen vorerst letzten Wutanfall bekommen. Es hatte nicht mal einen konkreten Auslöser gegeben. Vielleicht waren es die vielen roten Kreuzchen die ich machen musste, vielleicht aber auch die einfache Erkenntnis „was ich heute nicht weiß, dass werde ich wohl auch übermorgen nicht wissen!”.
Wieder erhob ich mich aus meinem Schreibtischsessel, auf dessen Sitzfläche sich in all der Zeit geradezu perfekt meine Poform abgemalt hatte. Ich biss die Zähne fest zusammen und stampfte mit wütenden großen Schritten in meinem Wohnzimmer auf und ab. Was tun? Was tun? Ein weiterer Wirbelsturm passierte meine Eingeweide. Was nur tun verdammt? Ich ballte die Hände zu Fäusten, bis mir die erstbeste Lösung in den Sinn kam: Betten beziehen! Ich stürmte in mein Schlafzimmer und riss dort so schwungvoll die Türe meines Wäscheschranks auf, dass alle Handtücher zu beben begannen. Brutal schob ich sie zur Seite und fand kurz darauf dass Bettzeug, welches ich gesucht hatte. Ich klatschte es zunächst zu Boden, da mir einfiel, dass es erst einmal die alte Bettwäsche zu entfernen galt. Wild und ungestüm entkleidete ich sowohl Plümos, als auch Kopfkissen, und riss schließlich der Matratze das Spannbettlaken vom Leib! Währenddessen beruhigte ich mich mit Affirmationen die ich zunächst leiser und dann immer lauter werdend vor mich her sagte: „Ich bin klug! Ich schaffe das! Alles wird gut!”. Nachdem ich später schwungvoll die Bettdecken ausgeschüttelt und zusammengelegt hatte brauchte ich unbedingt Schokolade! Aber - es war nichts mehr da?! Wie kann das sein? Kopflos irrte ich von einem Raum in den anderen. Das kann doch nicht wahr sein! Schlussendlich kramte ich in den Schubladen meines Kühlschranks, da befanden sich noch ein paar Reste. Aber die - waren von Ostern und letztem Jahr Weihnachten… Sollte denn wirklich nichts anständiges mehr im Haus sein? Noch einmal wuselte ich aufgeregt umher, doch es war wirklich nirgends mehr was zu finden. Nirgens! Außer im Kühlschrank… Also schleppte ich ein paar alte Schoko-Ostereier mit zu meinem Schreibtisch. Eines befreite ich von seinem roten Silberpapier und führe es langsam und mit spitzen Fingern in meinen Mund. Skeptisch biss ich zu und es schmeckte wie - nun ja - der Kühlschrank selbst. Da hätte ich auch direkt die Kühlschrankschublade ablutschen können. Bah! Trotz allem beförderte ich das Zeug weiter in meinen Magen und starrte dann die anderen Eier an, die es sich zu meiner Linken auf dem Buch „Anamnese und Klinische Untersuchung” gemütlich gemacht hatten. Mit einer ausladenden Bewegung wischte ich sie zur Seite, so dass sie über die Schreibtischkante flogen und in dem sich darunter befindlichen Papierkorb landeten. Nee, so verzweifelt war ich noch nicht! Alternativ machte ich mir eine Zigarette an und widmete mich wieder den Prüfungsfragen.
Ab dann lief alles einigermaßen gut! Allem voran das Thema Psychiatrie! War eigentlich kein Wunder, hier gehörte ich ja auch langsam hin… Aber auch bei den anderen Themen musste ich nicht allzu viele rote Kreuzchen machen! Nach meinem mir vorgenommenen Pensum, starrte ich Abends nur noch stumpf in die Flimmerkiste. Zwischendurch kam aber immer mal ein Taifun vorbei…
Und heute? Nun, merkwürdigerweise haben die Wirbelstürme an Kraft verloren, wenn auch sie immer noch vorhanden sind. Heute habe ich meine letzten roten Kreuzchen auf gelbe Post-it-Eckchen gemacht. Es waren auch nicht wenige, aber was ich heute nicht weiß, dass werde ich morgen auch nicht wissen. Insofern habe ich das Gefühl, diente meine Lernerei an diesem Tage einzig und alleine der Beruhigung meines Gewissens!
Ich kann nichts mehr machen, die Würfel sind im Grunde schon gefallen! Ab jetzt sind es noch 13 Stunden. Ich bin klug! Ich schaff das! Alles wird gut!
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„Every day a little bit!“
By admin | Oktober 4, 2008
Ich kann schon gar nicht mehr zählen, wie viele Kreuzchen ich in der letzten Zeit gemacht habe. Um mich auf die schriftliche Prüfung vorzubereiten, gehe ich systematisch zwei Prüfungsfragenbücher von Kreawi durch. Die Fragen, die ich falsch beantwortet habe markiere ich mir und werde sie kurz vorm „Finale” nochmal anschauen. Pro Thema beantworte ich im Schnitt 70 % richtig, das ist ein gutes Omen denke ich! Wobei ich beim Thema Hygiene echt den Vogel abgeschossen habe - 60% falsch! Ups, das muss ich mir wohl auch nochmal alles anschauen. Vier alte Prüfungen bin ich auch noch durchgegangen - hätte ich bestanden! Langsam kann ich also ein Licht am Ende des Tunnels erkennen. Ich hoffe nur es entpuppt sich nicht, als die Scheinwerfer eines heranrasenden Zuges …
An meinen Wänden sammeln sich weiterhin Plakate und Zettel mit Informationen in Hülle und Fülle. Langsam beschleicht mich das Gefühl, es handelt sich dabei doch nicht um eine so gute Taktik alles Wichtige aufzuhängen. Denn es ist eben so vieles wichtig! Ich kann ja den Wald vor lauter Bäumen schon gar nicht mehr sehen… Ich will damit sagen, es hebt sich schon gar nichts mehr wirklich hervor. Man kann nichts mehr erkennen - keine Eiche, keine Birke… alles einfach Bäume! Das ist das gleiche, wie wenn man in einem Buch so ziemlich alles mit einem Textmarker markiert. Das kann ich übrigens auch sehr gut… Der einzige Zettel, der definitiv noch ins Auge springt, ist der mit den Nieren-Werten gegenüber meiner Toilette. Und weil der mir mittlerweile auf den Senkel geht, habe ich ein großes Handtuch so über den darüber befindlichen Handtuchhalter drapiert, dass man dort kein Blatt Papier mehr vermuten würde. Der Wahnsinn soll endlich aufhören! Ich gehe ja schon auf`m Zahnfleisch… - Oh, Zahnfleisch! Behandlungsverbot! §1 des Gesetzes über die Ausübung der Zahnheilkunde! Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten gehören dem Zahnarzt und nicht mir! - Bor, das soll endlich aufhören! Wieso gibt es eigentlich keinen Knopf, an dem man seine Gedanken mal abschalten kann?! Das würde ich als äußerst erholsam empfinden…
Nun denn, ich ziehe tapfer meine Lerntaktik durch, die da besagt: „Every day a little bit!” (ausgenommen Sonn- und Feiertage, sowie auch Samstage). Und mit letzterem ist jetzt auch nicht etwa die Biersorte gemeint! Wobei das vielleicht mal eine interessante Taktik wäre… Doch leider beeinflusst Alkohol meine kognitiven Fähigkeiten ausschließlich nur zu meinen Ungunsten. Zu dem Thema habe ich bereits schon ein paar wissenschaftliche Studien in heroischen Eigenversuchen angefertigt!
Was mir aber wirklich über diese Zeit der Lernerei im Jammertal hinweg hilft, sind die Menschen die mir ihre Ohren leihen, in welche ich dann meine von Selbstmitleid triefenden Worte ergießen kann. Wahrscheinlich betätigen sie im Anschluss die „Delete”-Taste und schütteln angestrengt ihr Haupt, aber mir geht es dann etwas besser
Zu blöd nur, dass ich meinerseits schnell wieder den „Reset”- Knopf betätige und die Leier dann wieder von vorne losgeht
Delete - Reset - Delet - Reset - die unendliche Geschichte…
Zudem lautet mein Geheimrezept „SKZ”. Eine Kombinationsdroge aus Schokolade, Kaffee und Zigaretten. Eine explosive Mischung aus Glukose, Koffein und Nikotin. Nach überwundener Prüfung strebe ich den kalten Entzug an. Das heißt, je nachdem wie die Geschichte endet, unterliege ich allerdings auch der Gefahr mich noch tiefer in die Sucht zu verstricken… Wir werden es erleben!
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